"Damit hätten wir mehr als zwei Drittel der Zuschauer, die die Fußballspiele in den Stadien live erleben", sagte der österreichische Künstler in Berlin. "Das ist wirklich einzigartig." Zwei Monate vor dem Anpfiff seien 1,68 Millionen Besucher gezählt worden.
Die Bundesregierung hatte das Programm, das eine Premiere in der WM-Geschichte ist, ins Leben gerufen, um Vorfreude auf das Großereignis zu wecken und Fußball und Kultur miteinander zu verknüpfen. Die Entscheidung des Weltfußballverbands Fifa vom Januar, die große Eröffnungsgala im Berliner Olympiastadion abzusagen, löst bei Heller nach wie vor großes Befremden aus. "Die Fifa hat letztlich ein Heidengeld dafür ausgegeben, dass ein funkelndes, sinnliches 90 Minuten langes, querdenker-isches, ironisches und für Menschen aller Altersgruppen und Ausbildungsgrade unterhaltsames Multimedia-Ereignis - für ein bis zwei Milliarden Zuschauer in aller Welt - nicht stattfindet."

Aus Erfahrungen gelernt
Der Verband hatte die Absage mit der Sorge um den Rasen im Olympiastadion begründet. Über die Welt der Fifa-Funktionäre sagte Heller: "Die waren immer ganz liebevoll und ermutigend - bis zum Tag der Absage. Danach habe ich keinen von denen je mehr getroffen." Das Angebot, 2010 bei der Fußball-WM in Südafrika eine Bühnenshow zu inszenieren, lehnte Heller ab. "Ich werde nie mehr für ein sportliches Ereignis tätig werden. Und zwar nicht aus Verbitterung oder Frust, sondern weil ich das, was ich daran zu lernen hatte, gelernt habe. Mein Leben handelt von Erfahrungen und dem Weitergehen zu neuen Erfahrungen."

30 Millionen Euro Kosten
Das rund 30 Millionen Euro teure Kulturprogramm mit seinen 48 Projekten in 40 Ländern und mehr als 80 Städten weltweit, von denen die meisten vor der WM gelaufen sind, hat sich laut Hellers Zwischenbilanz mehr als gelohnt. Sein Vergleich: Die Salzburger Festspiele hätten mit einem Budget von etwa 46 Millionen Euro nur gut ein Zehntel der erwarteten Besucher. Zudem werde das offizielle Kulturprogramm der Bundesregierung durch den Verkauf von Sondermünzen finanziert. "Es hat kein Steuergeld gekostet", betonte Heller.
Das Programm, das von Musik, Filmen, Theater, Ausstellungen über Straßenfußball bis zur Modenschau reicht, habe das Publikum in einem "überraschend hohen Ausmaß interessiert". Besonders zugkräftig war demnach Hellers multimedialer Riesenglobus, der sich als "Wahrzeichen" der WM etabliert habe und weltweit hunderttausende Besucher anzog. Besonders die Berliner Ausstellung "Rundlederwelten" und "sperrige" Projekte wie Alain Platels "Vespero", das an der Pariser Oper uraufgeführt wurde, seien sehr gut angekommen. Doch nicht alles sei glatt gelaufen. Heller übte heftige Kritik am Intendanten der Staatsoper Unter den Linden, Peter Mussbach. Dieser habe zwei Projekte im WM-Kulturprogramm "vergeigt", sagte er. Ursprünglich sei die Inszenierung einer musikalischen Version des "Sportstücks&ldquo ; von Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek geplant gewesen. Auch das Ersatzprojekt "Soccersongs" von Robert Wilson und Herbert Grönemeyer scheiterte. Die Staatsoper wies die Vorwürfe Hellers als "so nicht haltbar" zurück.
André Heller hofft nun auf die 20-minütige Eröffnungsfeier in München am 9. Juni, vor dem ersten Spiel Deutschland gegen Costa Rica. Dies sei eine "Mini-Mini-Mini-Möglichkeit, etwas Künstlerisches zu machen, aber die werden wir voll ausnutzen". Regie führt Christian Stückl, Intendant des Münchner Volkstheaters. "Was ich davon kenne, ist sehr vernünftig und auch faszinierend, gemessen an den kargen Möglichkeiten, die er hat", meinte Heller. Das Angebot reicht von HipHop über Herbert Grönemeyer bis zur bayerischen Volkskultur.
Heller hat derzeit am Gardasee Altkanzler Gerhard Schröder zu Gast. "Der verbringt seine Osterferien in meinem Haus", berichtete der Künstler. Und was plant der Impressario, der in Deutschland besonders als Gründer des Zirkus Roncalli und für Fantasie-Feste wie "Luna Luna" bekannt ist, als nächstes? Ein Zentrum für alternative Medizin, mit Heilern aus unterschiedlichen Kulturen. "Ich möchte in Würde altern", sagte der 59-Jährige.