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Anbauen in Polen, verkaufen beim Nachbarn

Das Landwirt-Ehepaar Monika und Grzegorz Klocek auf ihrem Hof in Boznow. Ihre Produkte verkaufen sie auch auf deutschen Wochenmärkten in der Grenzregion.
Das Landwirt-Ehepaar Monika und Grzegorz Klocek auf ihrem Hof in Boznow. Ihre Produkte verkaufen sie auch auf deutschen Wochenmärkten in der Grenzregion. FOTO: dpa
Boznów/Cottbus. Es gibt viele polnische Produkte auf Wochenmärkten im deutschen Grenzgebiet. Aber nicht jeder Standort ist für Anbieter aus Polen interessant. Anna Ringle und Monika Skolimowska

Grenzüberschreitendes Leben zwischen Deutschland und Polen zeigt sich manchmal in ganz kleinen Dingen: etwa in einer Schale Erdbeeren. Landwirt Grzegorz Klocek und seine Frau Monika gehen mit prüfendem Blick durch weite Felder hinter ihrem Hof.

Hier in dem kleinen polnischen Ort Boznow im Grenzgebiet der Woiwodschaft Lebus wachsen jede Menge Erdbeeren, Äpfel, Johannisbeeren und Pflaumen, die auf brandenburgischen Wochenmärkten zu kaufen sind. Polnische Händler und Bauern sind auch andernorts im deutschen Grenzgebiet fester Bestandteil des Marktgeschehens.

Die Genossenschaft Deutsche Marktgilde, die mehrere Wochenmärkte unter anderem in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin betreibt, spricht von gestiegenen Anfragen von polnischen Händlern in den vergangenen Jahren.

Vor allem Obst, Gemüse und Spezialitäten wie Käse, Wurst und Süßigkeiten bieten diese demnach an.

Samstags beginnt der Tag für den Familienbetrieb der Kloceks schon sehr früh - es geht ins rund 90 Kilometer entfernte Cottbus auf den zentralen Oberkirchplatz. Rund eine Stunde Anfahrt bedeutet das. Mit dabei hat der polnische Obstbauer auch ein Schild, auf dem auf Deutsch steht: "Aromatische Erdbeeren. Direkt aus der Plantage". Auch andere Wochenmärkte in Brandenburg steuert der Obstbauer unter der Woche an.

Nachdem Polen 2004 EU-Mitgliedstaat geworden war, hatten die Kloceks gehört, dass es in Brandenburg Bedarf für frische Ware aus Polen gibt, wie die Eheleute berichten. Sie probierten es in Cottbus aus. Das war vor zwölf Jahren. Heute macht der Umsatz auf den brandenburgischen Märkten insgesamt etwa 30 Prozent ihrer Erlöse aus.

Das Kundenverhalten habe sich mit den Jahren verändert. "Früher konnten wir vor allem mit vergleichsweise günstigen Preisen punkten, die wir aber mit den Jahren an die deutschen angeglichen haben", sagt Monika Klocek. "Jetzt geht es um Qualität und regionale Herkunft der Ware."

Dass der Familienbetrieb die langen Fahrten nach Brandenburg auf sich nimmt, liegt auch an den höheren Preisen, die dort im Vergleich zu denen auf polnischen Märkten erzielt werden können, wie die Kloceks erläutern. Erleichtert habe ihren Einstieg auf dem deutschen Markt, dass Monika Klocek in Cottbus zeitweise studiert hatte, deutsch spricht und die Wege zu den Behörden kannte. Mit den Jahren habe es dann immer mehr polnische Händler und Bauern in die Stadt gezogen, berichtet das Ehepaar rückblickend.

Nach Angaben der Stadtverwaltung gibt es in Cottbus derzeit zehn polnische Markthändler. Sie bieten Obst, Gemüse, Blumen, Gestecke, Süßigkeiten sowie Milch- und Fleischprodukte an. Die Anfragen aus Polen bei der Kommune für einen Marktstandplatz seien im Jahresdurchschnitt etwa gleichbleibend, stiegen aber saisonal vor allem zu Beginn der Spargel- und Erdbeerzeit. Die Stadt befürwortet Stände polnischer Händler. So würden Angebotsvielfalt und -qualität positiv beeinflusst.

In Mecklenburg-Vorpommern sind zum Beispiel in Greifswald regelmäßig polnische Händler anzutreffen, während es sie in kleineren Orten wie Pasewalk eher vereinzelt gibt. Konstant ist seit Jahren die Präsenz polnischer Händler an den Markttagen im sächsischen Bautzen. In Zittau verkaufen zwei polnische Händler auf dem Wochenmarkt. Aktuell gebe es keine größere Nachfrage aus dem Nachbarland nach Marktständen, heißt es in der Stadtverwaltung. Ausnahme sei der Weihnachtsmarkt, für den es mehrere Anfragen gebe.

Der Deutschen Marktgilde zufolge sind für polnische Händler solche Wochenmärkte attraktiv, die in einem bestimmten Radius um ihren eigenen Betriebsstandort herum liegen - also nicht zu weit entfernt sind. Die Anfahrt wäre nämlich sonst mit zu großem Aufwand verbunden.

Davon abgesehen ist offensichtlich auch nicht jeder Wochenmarktstandort in Grenznähe gut geeignet, um polnische Händler anzulocken. In Städten, die direkt an der Grenze liegen, quellen die Anfragen nicht gerade über. In Frankfurt (Oder) gibt es nach Stadtangaben sogar derzeit gar keine polnische Händler auf den Wochenmärkten. Vor Kurzem habe es zwar einen Interessenten für den Verkauf von Obst und Gemüse gegeben. Er habe aber an einem Wochentag nach Frankfurt (Oder) kommen wollen, an dem es keinen Markt gibt.

Auch in der Grenzstadt Guben in Südbrandenburg ist es für das Ordnungsamt teilweise schwierig, Händler zu gewinnen, wie es in der Verwaltung heißt. Gubener könnten mit wenig Zeitaufwand nämlich direkt hinter der Grenze in Polen einkaufen. Trotzdem - seit Jahren gebe es einen überschaubaren Stamm von polnischen Händlern auf den Gubener Wochenmärkten.