Zu lange habe sein Vorgänger, der noch bis zum 28. Februar amtierende Präsident Dimitris Christofias, mit Konsolidierungsmaßnahmen gezögert und die Insel an den Abgrund des Staatsbankrotts gebracht, meint Anastasiades. Der 66 Jahre alte Jurist will die pro-europäische Tradition seiner Partei, der Demokratischen Gesamtbewegung (DISY), fortsetzen.

Anastasiades gehört seit 1981 dem Parlament an und wurde 1997 an die Spitze seiner Partei gewählt. Ein charismatischer Führer ist er nicht, Anastasiades wirkt eher zurückhaltend und reserviert. Er ist ein analytischer Kopf, der nicht auf Konfrontation aus ist. Großen Wert legt er auf die Familie. Immer wieder tritt er zusammen mit seinen Enkelkindern in der Öffentlichkeit auf. Anastasiades ist verheiratet und hat zwei Kinder und vier Enkel.

Anastasiades kann aber auch anders: Wenn er sich in seiner Partei durchsetzen will, dann verwandelt er sich schlagartig. Er trägt den Spitznamen "der Wolf", weil er gelegentlich explosiv reagiert. Und manchmal schimpft er sogar ungewöhnlich heftig.

Der 66-Jährige ist fest davon überzeugt, dass die Zukunft Zyperns in der EU liegt. Und er vertraut quasi ausschließlich auf Brüssel, um seine Insel aus der schweren Finanzkrise herauszuführen.

Anastasiades macht keinen Hehl daraus, dass seine Regierung jetzt schnell handeln muss. "Seit dem gestrigen Montag müssen wir uns mit der Wirtschaft beschäftigen", betonte er immer wieder. An die Adresse von Brüssel und Berlin schickte er die Versicherung, dass Zypern alle notwendigen Maßnahmen zur Sanierung der Finanzen treffen werde. Stolz spricht er davon, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel ihm beim jüngsten Treffen der Europäischen Volkspartei (EVP) in seiner Heimatstadt Limassol Unterstützung zugesagt habe, wenn sein Land die versprochenen Reformen in die Tat umsetzt.