Kampftruppen bereiten sich darauf vor, über den Fluss Litani hinaus vorzustoßen und damit nun doch weite Teile des Südlibanons zu erobern.

Gleichzeitig plant Israel aber auch für die Zeit danach: Die von Beirut angekündigte Verlegung von 15 000 libanesischen Soldaten in den Südlibanon sei ein „interessanter Schritt“, sagte der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert am Dienstag. „Je schneller wir den Süden Libanons verlassen, desto glücklicher werden wir sein, insbesondere wenn wir unsere Ziele erreicht haben“, sagte er.

Israel hatte die Stationierung der regulären libanesischen Armee in dem Grenzgebiet zu einem Hauptkriegsziel erklärt, nachdem die Hisbollah am 12. Juli mit einem tödlichen Angriff auf israelische Soldaten die Eskalation ausgelöst hatte. Doch in den vergangenen Wochen ist eine internationale Friedenstruppe als Puffer in den Mittelpunkt des israelischen Interesses gerückt.

Dass Beirut nun die Stationierung einer eigenen Militärtruppe vorantreibt, könne ein Trick sein, um Israel zu einer Waffenruhe zu bringen, werden Regierungsvertreter in Jerusalem zitiert. Für ein Ende im Krieg gegen die Hisbollah sei die Zeit aber noch nicht gekommen. Sollte die Hisbollah den Krieg mit Blessuren, aber im Inneren intakt überstehen, werde die vom Iran unterstützte Schiiten-Organisation nach dem Krieg im Libanon womöglich stärker sein als zuvor.

Eine Waffenruhe werde es erst geben, wenn der Süden des Libanons demilitarisiert, die Hisbollah-Miliz aufgelöst und zwei in den Libanon verschleppte israelischen Soldaten frei seien, bekräftigte der israelische Verteidigungsminister Amir Perez. Außenministerin Zipi Liwni forderte den libanesischen Regierungschef Fuad Siniora zum Handeln auf, als läge in dem Konflikt der Ball nun auf Seiten Beiruts. Siniora solle „seine Tränen trocknen und zu handeln beginnen, um für die Bürger, über die er weint, eine bessere Zukunft zu schaffen“.

„Der diplomatische Prozess steckt fest. Die Amerikaner und die Franzosen sind in eine Sackgasse gefahren. Nun gibt es einen Entwurf für eine UN-Resolution, der nicht mal als Staubwedel taugt“, schreibt die Zeitung „Maariv“ am Dienstag. Ein Einsatz über den Fluss Litani hinaus sei sei zwar keine Garantie für ein Ende der Raketenangriffe, begrenze diese aber auf ein Mindestmaß und zertreue das Gefühl der Hilflosigkeit in Israel. Das Blatt beschreibt die israelische Horrorvision eines Scheiterns: „Eine Armee, die es nicht geschafft hat, dem Wüten von 2 000 mutig kämpfenden Guerillas mit ihren 14 000 Raketen eine Ende zu bereiten.“