Sie weint Linda de Mol eine Träne nach. Denn ihre legendäre "Traumhochzeit" gehörte zum Pflichtprogramm im Hause Huras. Höhepunkt beim Fernsehabend war jeweils das fachfrauliche Begutachten des Brautkleides. Das macht sie öfter. Und dafür ist ihr sonst auch kein Weg zu weit. Die gebürtige Leipzigerin besucht Hochzeitsmessen in ganz Deutschland. Sie kann an keinem Hochzeitsausstatter vorbeigehen. Auf Flohmärkten stöbert sie nach historischen Brautkleidern (ihr ältestes stammt von 1920). Bei ihr daheim stapeln sich teure Fachzeitschriften. Und in Schränken hängen schließlich fein säuberlich aufgereiht ihre Hochzeitskleider, darunter natürlich ihr eigenes.
Augen für Hochzeitskleider hatte die Sprechstundenschwester schon als Kind. "Wir wohnten unmittelbar an einer Kirche. Sonnabends gab es für mich nichts Schöneres, als Hochzeitsgesellschaften zu beobachten", erinnert sie sich. Dabei träumte sie von ihrer eigenen Vermählung. Wohl deshalb hatte sie es mit ihr auch recht eilig. Sie heiratete drei Monate nach ihrem 18. Geburtstag. "Da es in den Läden nichts Vernünftiges gab, kaufte ich einfach für 50 Mark einen Restposten Plauener Spitze und ließ mir daraus von einer Freundin ein Hochzeitskleid nähen", denkt sie zurück. Das Unikat bewahrte sie auf. Ausgerechnet Göttergatte Thomas schob dann das Sammeln an, nachdem er zufällig in einem Sack voller Lumpen ein noch gut erhaltenes Hochzeitskleid fand. Stolz brachte er es seiner Frau mit nach Hause.
"Aber ich muss zugeben, dass es mir nicht passte. Es war zu lang und schmal. Trotzdem hob ich es auf", erzählt die zu ihren Pfunden Stehende. Der Beginn einer Sammelleidenschaft. Inzwischen besitzt sie dutzende Hochzeitskleider. Und nur für ganz wenige musste sie bisher mehr als ein Päckchen Kaffee bezahlen, "denn schnell sprach sich meine Leidenschaft im Verwandten- und Bekanntenkreis und vor allem in der Arztpraxis herum", meint die nicht auf den Mund Gefallene. "Am Tag unserer Silberhochzeit trug ich sogar ein nagelneues Brautkleid als festliches Dirndl", schwärmt sie und verrät, dass dies ein Geschenk ihrer Chefin war. Ansonsten nutzt Dagmar Huras jede nur mögliche Party, um ein Sammelstück aus dem Schrank zu holen und anzuziehen. Ihr Ehemann toleriert das ungewöhnliche Steckenpferd. "So habe ich wenigstens Ruhe für mein Hobby", bemerkt er nicht ganz uneigennützig. Denn Thomas Huras sammelt alte Militärmützen.