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| 09:35 Uhr

An drei Säulen der neuen Uni ließ Grünewald nicht rütteln

Begegnung mit Thomas Grünewald in der BTU-Mensa. "Die neue Uni ist kein Sparmodell." Foto: Helbig/mih1
Begegnung mit Thomas Grünewald in der BTU-Mensa. "Die neue Uni ist kein Sparmodell." Foto: Helbig/mih1 FOTO: Helbig/mih1
Potsdam/Cottbus. Er selbst sagt, dass sie ihn hier nicht lieben konnten. Immerhin war er der Beauftragte der Ministerin, der in der Lausitz die Neugründung einer Universität aus BTU Cottbus und HSL Senftenberg verteidigen sollte. „Aber ich habe mir einen gewissen Respekt erarbeitet“, sagt Thomas Grünewald, dessen Mission jetzt endet. Von Christian Taubert

Er hat in sechs Monaten mehr als 350 Gesprächsrunden zur Hochschul-Neugründung in der Lausitz geführt und für sich protokolliert. Bis Ende Oktober ist sein Terminkalender noch proppenvoll. Danach ist der befristete Job des Hochschulmanagers Thomas Grünewald beendet. Er wird dem Ruf nach Nordrhein-Westfalen folgen und dort im Wissenschaftsministerium die Abteilung für Hochschul-Recht, europäische und internationale Angelegenheiten sowie außeruniversitäre Forschung leiten. Auch familiäre Bindungen hätten seine Entscheidung befördert, räumt er ein.

"Ich habe immer gesagt, dass mein Mandat in der Lausitz befristet ist und ich hier nichts werden will", spielt Grünewald auf die Unterstellungen an, dass er von Ministerin Sabine Kunst (parteilos) als Gründungspräsident vorgesehen sein könnte. Kunst will die Personalie Grünewald heute in Potsdam bekannt geben. Stattdessen hat der 53-jährige Wissenschaftler, der von den Chancen einer Neugründung überzeugt ist, zielstrebig seine Mission verfolgt und drei Säulen des Konzepts der Ministerin stets verteidigt: ein gemeinsames Dach, eine Hochschulleitung, Erhalt der drei Standorte.

Dieses Beharrungsvermögen haben ihm Fusionsgegner stets derart ausgelegt, dass es in der anvisierten ergebnisoffenen Debatte nie mehr um das Ob, sondern immer nur noch um das Wie einer Zusammenlegung von BTU und HSL gegangen sei. Grünewald, der aus seinen Erfahrungen als Hochschulmanager seit 1999 schöpfen kann, hält dem entgegen, "dass zwei Senate immer Sperrbarrikaden aufbauen", wenn es um eigene Zugeständnisse gehe. Deshalb verteidigt er die politische Vorgabe der Ministerin, von vornherein eine Neugründung anzustreben. Aus seiner Sicht werde damit Lehre und Forschung in der Lausitz unter den Gegebenheiten des Landes Brandenburg eine sichere Zukunft gegeben.

Grünewalds Argument in den Debatten vor Ort: Hochschulen und Universitäten der Zukunft müssen flexibler werden. Sie haben die Aufgabe, den Praktiker-Nachwuchs für den Mittelstand und die Industrie zu liefern und müssen gleichzeitig Möglichkeiten für die exzellente Grundlagenforschung bieten.

Im wissenschaftlichen Beirat des Ministeriums wird er weiter mit an der möglichen Struktur der neuen Uni arbeiten, die der Gründungssenat letztlich vervollkommnen muss. Beiratsvorsitzender Wolfgang Krüger betont: "Ohne Grünewalds Wirken wären wir noch lange nicht so weit!"