Solange es hier nach Diesel für das alte 1000-PS-Notstromaggregat riecht, ist es noch nicht zu spät. So lange können sich Besucher noch ein Bild davon machen, wie alles begann mit dem Rundfunk in Deutschland - an dem Ort, wo am 22. Dezember 1920 das erste Radio-Konzert gesendet wurde.
Doch das Museum auf dem Funkerberg steht vor dem Aus, seit die Telekom angekündigt hat, den Mietvertrag nicht zu verlängern. 500 000 Euro koste das alte Sendezentrum die Telekom im Jahr, sagt Sprecher Hans Ehnert. Die Telekom stelle in Berlin oder Frankfurt am Main bereits Millionenbeträge für Museen bereit. "Als Aktiengesellschaft haben wir den Auftrag, kein Geld zu verschenken", sagt Ehnert. Die Räume seien deshalb bis zum 31. Juli zu räumen - "besenrein und unter Beseitigung aller Einbauten", wie die Telekom-Tochter Sireo dem Museum mitteilte.
"Wir waren geschockt, als das Schreiben plötzlich aus dem Fax kam", sagt Säuberlich, der wie seine Mitarbeiter ehrenamtlich arbeitet. Er findet es unvorstellbar, dass er und seine Mitstreiter tausende Ausstellungsstücke aus dem Haus tragen sollen, in dem Rundfunkgeschichte geschrieben wurde.
"Hallo, hallo! Hier ist Königs Wusterhausen auf Welle 2700", tönte es vor fast 85 Jahren kurz vor Weihnachten über den Sender, den damals die Deutsche Reichspost betrieb. Es folgte eine Interpretation von "Stille Nacht", mit dem Stationsvorsteher an der ersten Geige, dem technischen Leiter an der Klarinette und einem Chor singender Postbeamter. Hörer gab es kaum: Rundfunkempfang war noch verboten und so kamen außer ein paar Offiziellen nur Schwarzhörer mit einem selbst gebauten Detektor-Empfänger in den Genuss der Darbietung.
Bevor die Postler ihr Weihnachtskonzert aufführten, hatte Kaiser Wilhelm II. die Anlagen genutzt, um seinen Truppen an den Fronten des Ersten Weltkriegs Befehle zu morsen. Eine zivile Nutzung des Rundfunks war noch undenkbar: Als Militärs versuchten, Sprache und Musik zu übertragen, reagierten die Vorgesetzten mit der Anweisung, "diesen Unfug zu unterbinden".
Der Keller, in dem später das Weihnachtslied erklang, ist heute das Herz der Ausstellung. Schulklassen und Technikfans hören sich das Konzert über die Kopfhörer eines nachgebauten Detektors an und begutachten Röhrensender, Endstufen und Kondensatoren. Die Wände und das Kreuzgewölbe sind weiß getüncht, alles wirkt noch neu, alles ist sauber. "Das hat uns noch die Telekom bezahlt", sagt Säuberlich.
Der Bürgermeister, die Stadtverordneten, der Kreistag - sie alle wollen das Museum retten, doch die Telekom bleibt hart. "Unserem Schreiben gibt es nichts hinzuzufügen", sagt Ehnert. Nun soll das Landesamt für Denkmalpflege vermitteln.
Der Gedanke, dass hier im Sommer die Lichter ausgehen, erscheint Wolf-Dieter Säuberlich völlig abwegig. Er zeigt auf einen tonnenschweren 100-Kilowatt-Sender aus den dreißiger Jahren. "Da sind die größten Senderöhren dran, die je in Deutschland gebaut wurden." Ein Jahr habe es gedauert, bis sie das Ausstellungsstück im Museum aufgebaut hatten. "Den kriegen wir hier so schnell nicht wieder raus."
Das Museum im Internet:
www.funkerberg.de