Doch weit außerhalb des Polit-Establishments der Hauptstadt, in den Dörfern und Städten des amerikanischen Herzlands, regt sich Widerstand gegen den Kriegskurs. Hundert Kommunalparlamente, 45 Universitätskonzile und die Parlamente der Bundesstaaten Maine und Hawaii haben bislang eine Resolution unterzeichnet, die sich gegen einen "präventiven und einseitigen Krieg" richtet und damit gegen einen Kernpunkt der Irak-Strategie von Präsident George W. Bush.
Mögen die Falken in Washington noch so scharf über eine Neuordnung der Welt nach dem Sturz Saddam Husseins nachdenken - in der Provinz haben die politisch Verantwortlichen andere, dringlichere Probleme. "Der Irak-Krieg wird Portland nicht sicherer machen, wir sehen also keine Notwendigkeit für eine militärische Intervention", sagt Serena Cruz von der Stadtverwaltung der Metropole im Bundesstaat Oregon. "Jeden Tag stellen wir hier vor Ort große Nöte unserer Bürger fest, die wir einfach nicht lindern können." Auch Maryann Mahaffey, die Vorsitzende des Stadtrats von Detroit im Norden der USA, hat andere Prioritäten als die Weltpolitiker in Washington: "Die städtischen Obdachlosenunterkünfte sind völlig überlaufen, sie reichen nicht."
Landauf, landab kämpfen die Gemeinden derzeit mit leeren Kassen. Die Milliarden, die ein Irak-Krieg kosten würde, halten sie für falsch angelegt. Die Expertin Karen Dolan vom Washingtoner Institut für Politikstudien hat zwei Gründe für den Widerstand der Kommunen ausgemacht: Zum einen ist es die angespannte Finanzlage, die sich im Kriegsfall verschärfen würde und den finanziellen Spielraum der Kommunen noch weiter einschnüren würde. Zum anderen sind es Bedenken wegen der möglichen Folgen eines Kriegs, der das internationale Recht verletzen würde und dem anti-amerikanischen Terrorismus noch mehr Auftrieb verschaffen könnte. Auch letzteres berührt die Belange der Gemeinden: "Wir haben bereits ein Defizit von einer Million Dollar wegen der zusätzlichen Kosten, die wegen der neuen Maßnahmen für die innere Sicherheit angefallen sind", klagt Ma haffey. Neben Portland und Detroit haben auch Großstädte wie San Francisco, Chicago, Philadelphia und Baltimore die Resolution unterzeichnet.