September 2001 der US-Außenpolitik neue Prioritäten aufzwangen. Lateinamerika geriet in Washington wieder weitgehend in Vergessenheit. Das Verhältnis verschlechterte sich zusätzlich, als voriges Jahr die Mehrzahl der großen lateinamerikanischen Länder Bush die Unterstützung im Irak-Krieg verweigerte.
Am Montag und Dienstag nächster Woche haben die USA die Chance, verlorenes politisches Terrain bei ihren südlichen Nachbarn gut zu machen. In der nordmexikanischen Industriestadt Monterrey kommen die Staats- und Regierungschefs des gesamten Kontinents mit Ausnahme Kubas zu einem Amerika-Gipfel zusammen. Unter den 34 Teilnehmern sind 14, die beim Amerika-Gipfel im April 2001 in Québec (Kanada) noch nicht im Amt waren.
Während bei früheren Gipfeltreffen meist das Thema Freihandel im Vordergrund stand, soll es in Monterrey vor allem um soziale Fragen gehen: der Kampf gegen Armut, Korruption und Bürokratie.
Der Vorschlag, den Gipfel auf diese Themen zu konzentrieren, kam ursprünglich aus Mexiko und wurde von den USA durchaus positiv aufgenommen. Vermutlich wird Washington aber auch das Thema Sicherheit zur Sprache bringen. Die Furcht der USA vor neuen Anschlägen hat bereits massive Auswirkungen auf den Luftverkehr in der Region. Vor allem in Mexiko beklagten Passagiere lange Abfertigungszeiten und Stornierungen von Flügen in die USA.
Das Ansehen der USA leidet enorm. Das Meinungsforschungsinstitut Latinobarómetro stellte Ende 2003 fest, dass 31 Prozent aller Lateinamerikaner eine negative Meinung von den USA haben. Im Jahr 2000 waren es 14 Prozent.
Pluspunkte könnte Bush bei der Einwanderungspolitik machen. Der US-Präsident kündigte diese Woche an, Einwanderer ohne Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis aus der Illegalität zu holen. Teilweise leben sie seit Jahrzehnten mit schlecht bezahlten Jobs und in ständiger Angst vor Entdeckung in den USA.
Kritiker werfen Bush pure Wahlkampftaktik vor.