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| 20:06 Uhr

Bekämpfung der allergenen Pflanze
Enttäuschte Heimfahrt in die Lausitz

 Die hochallergene Pflanze Ambrosia verursacht bei vielen Menschen in der Lausitz gesundheitliche Probleme.
Die hochallergene Pflanze Ambrosia verursacht bei vielen Menschen in der Lausitz gesundheitliche Probleme. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Potsdam. Lausitzer Bürgermeister übergeben Ambrosia-Positionspapier und ernten eine zurückhaltende Reaktion.

Sie hatten auf Fortschritte gehofft, doch sie wurden enttäuscht. Am Dienstag übergaben die Bürgermeister von zehn Lausitzer Kommunen im Potsdamer Landwirtschaftsministerium einen Forderungskatalog zum Umgang mit der Ambrosia-Pflanze. Insgesamt zehn Punkte umfasste das Positionspapier: Dazu gehören die Forderungen nach einem festen Budget für die Ambrosia-Bekämpfung im Landeshaushalt ebenso wie die Forderung, den Ambrosia-Beauftragten des Landes zu einer dauerhaften Planstelle zu ernennen und unter Ambrosia leidende Landwirte finanziell zu entschädigen,  oder die Forderung, den Landesbetrieb Straßenwesen zu verpflichten, Ambrosia an Straßenrändern konsequent zu bekämpfen.

„Wir wurden wahrgenommen, aber richtige Lösungen hat es nicht gegeben“, sagte Karsten Schreiber (SPD), der Bürgermeister von Kolkwitz. „Ich hätte mir mehr erhofft.“ Zum Beispiel eine Rechtsgrundlage, um die Ambrosia bekämpfen und sie melden zu können. Oder eine Finanzierung des Landes. „Aber da wurde um den heißen Brei herumgeredet.“ Ähnlich äußerte sich Vetschaus Bürgermeister Bengt Kanzler (parteilos). „Es war nicht ganz ohne Erfolg, teilweise aber auch ernüchternd.“ Das Problem der Ambrosia sei in Potsdam allen bekannt. Es fehle aber der feste Wille, die Dinge wirklich anzugehen. Der Landesbetrieb Straßenwesen, der für die Pflege der Straßenränder zuständig ist, sei bei einem anderen Ministerium angesiedelt. „Da schiebt man sich wechselseitig den Ball zu“, sagt Kanzler. Und an die Ausgleichszahlungen für Landwirte wolle man auch nicht heran. Eine Verordnung zum Umgang mit Ambrosia sei in der Ressortabstimmung, Genaueres wisse man aber noch nicht. Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) sagte am Rande der Kabinettssitzung in Wittenberge, das Ambrosiaproblem werde alle Beteiligten, „auch den Minister“, wohl noch lange beschäftigen. Sein Sprecher Jens-Uwe Schade ergänzte, man habe in Potsdam eine „konstruktive Runde“ erlebt, alle Beteiligten eine der Wille, voranzukommen. „Wir können aber nicht zulasten anderer Ministerien verhandeln.“ Für eine Entschädigung betroffener Landwirte etwa sehe man keine Rechtsgrundlage. Nötig seien dagegen belastbarere Zahlen, etwa zur Frage, wie viele  Landwirte von Ambrosia betroffen seien. Was die dauerhafte Beauftragung des Ambrosia-Beauftragten angehe, prüfe man, wie lange man ihn installieren könne. „Neu ist, dass wir mit der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung einen Bekämpfungsversuch durch Untersaaten bei einem von Ambrosia besonders betroffenen Betrieb gestartet haben“, sagte Schade.

Die Agrarpolitische Sprecherin der Linken im Landtag, Anke Schwarzenberg, erklärte, sie begrüße die Ankündigung einer Landesverordnung zur Bekämpfung von Ambrosia. Damit könne man mit der Bekämpfung der Pflanze auf Privatgrundstücken ein großes Stück weiterkommen. „Ich hoffe, dass die Verordnung rechtzeitig vor der Ambrosia-Saison im Spätsommer wirksam wird.“ Kritisch äußerte sich der umweltpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Dieter Dombrowski. „Ich hätte mich gefreut, wenn die Bürgermeister im Gespräch mit der Landesregierung nicht enttäuscht worden wären“, sagte der Landtagsvizepräsident. „Es hat keine Fortschritte gegeben.“ Aus seiner Sicht müsse man von einer Landesregierung erwarten können, dass sich die Häuser kollegial verständigten. Die CDU wolle das Thema Ambrosia deswegen wieder auf die Tagesordnung des Umweltausschusses setzen und generell am Thema dranbleiben.