Besonders gern erzählt der Brandenburger CDU-Landeschef die Geschichte, als er „Änschie“ bei der Akzeptanz der Patchwork-Familie zurückpfiff und die Wahrung des altehrwürdigen Familienbildes durchsetzte. „Gut Herr General“ , habe die Parteichefin gesagt, „wenn ich die Putzfrau des konservativen Tafelsilbers bin, dann sind Sie der Wachmann.“
Gestern nun verlor der in Schlachten erprobte Stratege sein wohl letztes Gefecht auf Bundesebene. Gegen die Em pfehlung der Kanzlerin hatte Schönbohm erneut für das Bundespräsidium kandidiert und bekam für seine Ignoranz aller Zeichen eine bittere Quittung. Er erreichte das schlechteste Ergebnis aller Kandidaten, beschwor zudem mit seiner Rede über konservative Werte und innere Sicherheit nur die Vergangenheit. Die Delegierten in Dresden dagegen wählten die Zukunft. Schönbohm suchte die Entscheidung, er bekam sie und ging mit wehenden Fahnen unter. Sein Problem: Die unnötige, weil selbst heraufbeschworene Niederlage schwächt seine Position im Landesverband weiter. Immer offener wird deutlich, das Schönbohm nicht mehr zwischen Wunsch und Realität trennen kann. Ohne Not setzte er seine Autorität aufs Spiel, gefährdet so auch die Zukunft seines von ihm erwählten Nachfolgers Junghanns. Zwar ist der Angriff für einen Soldaten die beste Verteidigung, in der Politik gelten jedoch andere Geset ze. Die beherrscht, soviel ist seit gestern klar, eine „Putzfrau“ besser als der General.