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| 02:39 Uhr

Am Pannen-Airport BER dominieren jetzt Optimismus und Harmonie

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (l., SPD), und der Vorsitzende der Geschäftsführung der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg, Karsten Mühlenfeld, informierten die Presse.
Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (l., SPD), und der Vorsitzende der Geschäftsführung der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg, Karsten Mühlenfeld, informierten die Presse. FOTO: dpa
Schönefeld. Die Aufsichtsräte des BER waren am Montag zu ihrer ersten Sitzung in diesem Jahr zusammengekommen. Die Botschaft nach der Sitzung: "Alles wird gut!" Jan Siegel

Wer es nicht besser weiß, der musste nach der Sitzung des BER-Aufsichtsrates am Montag den Eindruck haben, als handle es sich bei der Zusammenkunft des Aufsichtsgremiums um einen fröhlichen und harmonischen Kindergeburtstag, der mit einem erbaulichen Morgenkreis begann.

Von Problemen keine Rede

Berlins Regierender Bürgermeister und BER-Aufsichtsratschef Michael Müller (SPD) versuchte gemeinsam mit Geschäftsführer Karsten Mühlenfeld in der Pressekonferenz nach der Zusammenkunft ein Bild konstruktiver Harmonie zu zeichnen.

Da war keine Rede von bestehenden Problemen, und ein möglicher Streit im Aufsichtsrat mit dem Bund über den Bau des künftigen Regierungsterminals in Schönefeld wurde zu einer "konstruktiven Debatte". "Wir arbeiten alle Themen im ruhigen Fahrwasser ab", sagte Michael Müller.

Als besonderes Schmankerl hatten die BER-Protagonisten Müller und Mühlenfeld ein paar Fotos mit vor die versammelte Presse gebracht. Die Bilder zeigten einen randvoll mit Aktenordnern geladenen Kleinbus vor dem Bauamt des Landkreises Dahme-Spreewald. Das seien die noch fehlenden Unterlagen für den fünften Nachtrag zur Baugenehmigung, die am Montag zu der Behörde gefahren worden seien, sagte Mühlenfeld. Dem fünften Nachtrag muss im Frühsommer auch noch ein sechster Nachtrag folgen. Doch der kann erst fertiggestellt und "verladen" werden, wenn die Bauaufseher die jetzt vorgelegten Dokumente mit ihrem grünen Genehmigungsstempel abgesegnet haben.

Ganz so entspannt, wie es der Eindruck sein sollte bei der Pressekonferenz nach der Aufsichtsratssitzung, dürften allerdings weder der Aufsichtsrat noch die BER-Geschäftsführung in diesen Tagen sein. Denn wenn es um die Eröffnung des Pannenflughafens geht, wird die Zeit verdammt knapp. Derzeit ist die Rede von einem viermonatigen Verzug.

Trotzdem gibt sich BER-Chef Karsten Mühlenfeld optimistisch, dass die Eröffnung des Airports im zweiten Halbjahr 2017 noch gelingen kann.

Diese Zuversicht schöpft der Manager auch aus der Tatsache, dass es trotz der laufenden Bauarbeiten schon jetzt gelungen sei, fertiggestellte technische Anlagen zu testen und in Betrieb zu nehmen. "Wir werden alles, was fertig ist, schrittweise auch einschalten", sagte Mühlenfeld. "Deshalb sind wir auch überzeugt, dass wir mit dem Bau in diesem Sommer fertig werden." Das ist auch die Voraussetzung für eine Eröffnung im kommenden Jahr. Denn die Abnahmen und Tests werden noch einmal viele Monate in Anspruch nehmen.

Bahn fordert Schadenersatz

Die Querelen um das künftige Regierungsterminal in Schönefeld dürften derweil keine direkten Auswirkungen auf den Start des BER haben. Der Bund fordert, dass fünf Jahre nach Inbetriebnahme des neuen Hauptstadtflughafens auch das neue Terminal für Staatsgäste fertig sein muss. Bis dahin soll es eine Container-Behelfslösung in Schönefeld geben.

Mit dem Bau eines dauerhaften Regierungsterminals kann aber erst begonnen werden, wenn ein weiteres Fluggastterminal am BER fertig ist, um dann Teile des alten Schönefelder Flughafens abreißen zu können. Berlins Regierender wollte im Zusammenhang mit dem Regierungsflughafen aber nicht von "Streit mit dem Bund" sprechen, sondern vielmehr von besagtem "konstruktiven Dialog, den wir gemeinsam führen".

Um eine Menge Geld geht es auch bei einem "konstruktiven Dialog" mit der Bahn. Weil täglich mehrere Züge durch den leeren unterirdischen BER-Bahnhof geschickt werden müssen, um den Luftaustausch im Untergrund sicherzustellen, fordert die Bahn vom Flughafen viel Geld. Die Rede ist von 70 Millionen Euro Schadenersatz.

Der Aufsichtsrat beauftragte die BER-Geschäftsführung jetzt, mit den Eisenbahnern über einen Vergleich in der Sache zu verhandeln. Die BER-Manager hoffen dabei, mit einer einstelligen Millionensumme auszukommen. Das Verhandlungsergebnis soll dann dem Aufsichtsgremium vorgelegt werden. Der entscheidet dann über die Annahme oder Ablehnung des Vergleichs.