Waggonladung für Waggonladung rauscht den Hang hinab. Tausende Kubikmeter Sand füllen Zug um Zug das Loch auf, aus dem einmal der Meuro-See entstehen soll.
„Wir hoffen, dass wir im Jahr 2004 die Sole um weitere 42 Meter erhöht haben werden“ , sagt Manfred Kolba, der stellvertretende Leiter des Sanierungsbereichs Brandenburg der Lausitzer- und Mitteldeutschen Bergbauverwaltungsgesellschaft (LMBV), während ihm der eisige Wind über den Kopf weht. „Mehr als zwei Millionen Kubikmeter haben wir schon verkippt.“
Und LMBV-Geschäftsführer Mahmut Kuyumcu findet zu den Sanierungsarbeiten trotz der Kälte und der trostlosen Mondlandschaft unweit des Lausitzrings fast schon poetische Worte: „Die Erde hier hat uns sehr viel gegeben. Jetzt braucht sie Ruhe und Erholung.“
Die wird sie finden – mit Sicherheit, schon bald. Denn der Meuro-See ist Teil einer 500 Hektar großen Fläche des 1999 stillgelegten Tagebaus Meuro, die der Naturschutzfonds Brandenburg (NSF) gestern offiziell von der LMBV übernommen hat. Auf den ehemaligen Bergbauflächen will die Stiftung nach dem Abschluss der Sanierungsarbeiten der Natur freien Lauf lassen.
Brandenburgs Umweltstaatssekretär Friedhelm Schmitz-Jersch schwärmt von dem Gelände, das insgesamt die Ausmaße von 700 Fußballfeldern hat und sich vom geplanten Ilse-See bei Großräschen bis nach Senftenberg erstreckt, in den höchsten Tönen. „Hier kann nach dem Abzug der Braunkohlebagger eine einzigartige Landschaftsentwicklung in ihrer natürlichen Dynamik weitgehend ohne direkte Beeinflussung durch Menschen ablaufen“ , sagt Schmitz-Jersch, der zugleich Vorsitzender des Stiftungsrats des Fonds ist. Derartige Flächen seien in Mitteleuropa nur noch selten zu finden. „Dieser Kauf ist für uns von besonderer Bedeutung, weil dadurch eine großräumige und unzerschnittene Landschaft gesichert werden konnte.“
Was dort passieren könnte, hat sich Schmitz-Jersch schon konkret ausgemalt. „Mit großer Wahrscheinlichkeit wird sich das Gebiet zu einem bedeutenden Rastplatz für Zugvögel, darunter Kraniche und Wildgänse, entwickeln“ , sagt er. Auf einem Großteil der Flächen sollen Schafe weiden.
Holger Bartsch, Landrat im Oberspreewald-Lausitz-Kreis, spricht von einem „Modellcharakter“ , die der Flächenerwerb des Naturschutzfonds für die gesamte Region hat. Indirekt finanziert worden ist der Kauf des Geländes nämlich durch den Lausitzring.
Der hatte eigentlich selbst Ausgleichsmaßnahmen für den Bau und den Betrieb der Rennstrecke leisten müssen. Weil er das auf seinem eigenen Gelände nicht konnte, sonst aber keine Genehmigung für die Rennstrecke erhalten hätte, übertrug er diese Ausgleichsverpflichtung per Vertrag im Oktober 2000 auf den Naturschutzfonds – und zahlte dafür eine Ausgleichsabgabe von 2,26 Millionen Mark. „Dieses Geld“ , sagt Schmitz-Jersch, „wird jetzt für den Erwerb der Flächen, die Aufforstung und dauerhafte Folgekosten des Geländes eingesetzt.“
Der Naturschutzfonds, der sich vor allem aus Ausgleichsabgaben speist, hat mit derartigen Projekten in der Lausitz schon Erfahrung. Überwiegend befasst er sich derzeit mit der Übernahme von 22 Brandenburger Naturschutzgebieten von der Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) und dem Kauf von Flächen in den Bergbaufolgelandschaften. Von denen hat die LMBV noch reichlich.
„Wir wollen 20 Prozent unserer Flächen einer naturnahen Nachnutzung zur Verfügung stellen“ , sagt LMBV-Geschäftsführer Kuyumcu. „Das sind allein in Brandenburg 3000 Hektar.“
Vom Ostufer des geplanten Cottbuser Ostsees, dem Südteich Schwarzheide, der Bergheide im Elbe-Elster-Kreis und dem Buckwitzberg im Tagebaugebiet Welzow im Spree-Neiße-Kreis reicht das derzeitige Angebot an „ökologisch wertvollen Flächen“ , für die die LMBV einen Käufer sucht. Rund um Hoyerswerda würde die LMBV gerne Flächen am Ostrand von Burghammer sowie in den ehemaligen Tagebauen Heide, Zeißholz und Laubusch in die Hände von Naturschützern übergeben, insgesamt in Ostsachsen etwa 2300 Hektar.
Kuyumcu ist optimistisch, dass das gelingt. „Wir sind mit dem Naturschutzbund in Gesprächen über die Übernahme sehr großer Flächen“ , sagt er. „Ich gehe davon aus, dass wir ausreichend Stiftungen für den Flächenerwerb finden werden.“ Denn er hat beobachtet: „In den letzten zehn Jahren hat sich das Bewusstsein für die Natur vergrößert. Das erschöpft sich nicht im Reden, sondern es gibt einen Wandel zum Handeln.“