Die einstigen Freunde Peter Altmaier und Norbert Röttgen haben sich nicht mehr viel zu sagen. Immer wieder lässt der Bundesumweltminister durchblicken, dass sein Vorgänger die Kosten bei der Förderung erneuerbarer Energien nicht in den Griff bekommen habe. Er will es nun besser machen. Doch ob Altmaier mehr Erfolg als Röttgen haben wird, ist fraglich. Er sitzt zwischen allen Stühlen.

Die auf ein Rekordniveau steigende und von allen Bürgern über den Strompreis zu zahlende Ökostrom-Umlage sorgt für Nervosität bei Union und FDP. Sie wird am heutigen Montag offiziell bekanntgegeben. Zusammen mit anderen Zusatzkosten durch die Energiewende, die der Staat bei den Bürgern ablädt, prophezeien erste Versorger Mehrkosten für einen Durchschnittshaushalt von knapp 100 Euro pro Jahr.

Eigentlich bräuchte es eine rasche Reform, die Kosten senkt, erneuerbare Energien rascher marktfähig macht und überflüssige oder zu hohe Boni im Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) streicht. Aber FDP-Wirtschaftsminister Philipp Rösler kann sich auf den Kopf stellen und von Altmaier eine Reform noch vor der Bundestagswahl in einem Jahr fordern. Die Realität ist: Wenn Altmaier den Windkraft-Ausbau deckeln will, muss er gegen starke Lobbyinteressen ankämpfen. Und die ersten Ministerpräsidenten pfeifen ihn schon zurück. Der Föderalismus ist für Altmaier bei dem Projekt die schwerste Hürde.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betont, dass die durch die Energiewende bedingte Strompreiserhöhung "nur halb so groß" sei wie etwa Steigerungen für fossile Energieträger wie Gas oder Öl. "Das eine nehmen wir lautlos hin", wundert sich die Kanzlerin.

Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie, rechnet vor, dass dank Ökoenergie 2011 Öl-, Kohle- und Gasimporte in Höhe von 7,1 Milliarden Euro vermieden worden seien. Mit Blick auf die Debatte um die Öko-Umlage sagt er: "Es geht darum, dass EEG sturmreif zu schießen." Die konventionelle Energiewirtschaft und die FDP wollten die Energiewende ausbremsen. Die Ökostrom-Förderung mache tatsächlich nur die Hälfte der Umlage aus. Albers spricht deshalb von einer "EEG-Umlüge". Statt immer mehr Industrie-Subventionen in die Umlage zu packen, müsse die Regierung diese aus dem Bundeshaushalt bezahlen.

Felix Matthes vom Öko-Institut hat errechnet, dass seit 2003 bei Strompreissteigerungen 44 Prozent dem Ökoenergie-Ausbau geschuldet sind. Fast ein Drittel entfällt demnach auf Brennstoffkosten für Öl, Kohle und Gas, 17 Prozent auf Industrie-Rabatte und zehn Prozent auf die EU-Umweltpolitik. Die Energiewende bedeute eine hohe Wertschöpfung im Land, argumentiert Matthes. Die Alternative sei, weiter Jahr für Jahr Dutzende Milliarden auf die Konten von Ölscheichs und Gasländern zu überweisen.

Fakt ist: Bereits ein Viertel der deutschen Stromproduktion wird mit über den Marktpreisen liegenden, auf 20 Jahre garantierten Vergütungen gefördert. 2013 werden bis zu 20 Milliarden Euro ausgeschüttet. Dank des EEG senken Wind und Sonne zwar die Einkaufspreise für Strom massiv. Die positiven Effekte kommen allerdings oft gar nicht beim Bürger an.