Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) erhöht den Druck auf die Bundesländer, in den Streitfragen der Energiewende eine gemeinsame Linie zu finden. "Es gibt sehr viele Vorschläge. Viele davon sind interessenorientiert, weil jeder natürlich das Beste für seine Region, für sein Bundesland, für seinen Wirtschaftszweig möchte", sagte Altmaier am gestrigen Freitag bei einem Besuch im nordsächsischen Delitzsch.

Seine Aufgabe sei es, im Gespräch mit den Bundesländern ein Gesamtkonzept zu finden, dass die Energiewende bezahlbar und technisch realisierbar hält. "Ich glaube, wir haben ein Zeitfenster von einigen Wochen oder Monaten, wo klar werden muss, wie wir diesen Weg organisieren."

Interessenkonflikt Nord-Süd

Die Länder hatten am Donnerstag und gestrigen Freitag auf der Ministerpräsidentenkonferenz in Weimar um einen Kompromiss gerungen. Es gibt Interessenkonflikte, weil zum Beispiel die windreichen Nordländer den Ausbau von Offshore-Parks forcieren wollen, während die Südländer ihr Augenmerk auf die Versorgungssicherheit und den Netzausbau richten.

Bundesumweltminister Altmaier betonte, er wolle alles dafür tun, dass die Energiewende für die Bürger bezahlbar bleibe, wies aber auch darauf hin, dass die Energiepreise in Deutschland auch nicht stärker stiegen als in den europäischen Nachbarländern. Fehler der Vergangenheit müssten jedoch korrigiert und ein neues Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erarbeitet und verabschiedet werden.

Biomasse und Erdwärme

Altmaier besuchte zunächst die Energiebörse EEX in Leipzig und reiste dann weiter nach Delitzsch, das verschiedene Modellvorhaben zur Energieversorgung umgesetzt hat. Die Kleinstadt mit 26 000 Einwohnern ist "energieautark". Über Biomasse und Erdwärme wird dort mehr Energie erzeugt, als verbraucht wird. "Ich bin überzeugt, dass die Erfahrungen, die hier gewonnen worden sind, als Modellprojekt dienen können für andere Kommunen in ganz Deutschland", sagte Altmaier.

Zum Thema:
Die Energiebörse EEX mit Sitz in Leipzig wurde 2002 gegründet. Sie ist die einzige Börse für Energieprodukte in Deutschland und eine virtuelle Handelsplattform. Hauptgeschäftsfeld ist der Stromhandel. Nach EEX-Angaben läuft inzwischen ein Viertel des deutschen Stromhandels über die Börse. Unternehmen können sich an der EEX den von ihnen benötigten Strom besorgen. Das geht entweder kurzfristig für den nächsten Tag am Spotmarkt oder langfristig am Terminmarkt. dpa/bl