Die SPD hat am gestrigen Donnerstag in Berlin zum Auftakt ihrer Beratungen einen ungewöhnlichen Weg für diese Ehrung gewählt, weil sie auch ungewöhnliche Tote zu beklagen hat: Ihren großen Altkanzler Helmut Schmidt, den Literaturnobelpreisträger Günter Grass und den Außenpolitiker Egon Bahr. Drei ganz Große aus der sozialdemokratischen Regierungs-Ära von 1969 bis 1982.

Es war wohl ein kluger Einfall des Parteichefs Sigmar Gabriel, jenen Mann, der später ebenfalls eine sozialdemokratische Ära geprägt hat, Gerhard Schröder, um eine gesonderte Gedenkrede zu bitten. Acht Jahre lang hatte der jetzt 71-jährige nicht mehr auf SPD-Parteitagen geredet, zuletzt 2007, als er in Hamburg bei seinem endgültigen Abschied aus der Politik sagte: "Ihr habt es mir nicht leicht gemacht, aber ich euch auch nicht." Er ging damals nicht unumstritten. Schröder nutzte die neue Gelegenheit, um, wenn auch unaufdringlich, ein wenig von dem Glanz der drei verstorbenen Parteigrößen auch auf sich fallen zu lassen. Das begann schon bei der Würdigung von Grass. Der Schriftsteller habe die Partei immer angetrieben, das Land zu erneuern. Das habe er, Schröder, dann mit den gesellschaftlichen Reformen seiner rot-grünen Regierung umgesetzt. "Das hat Grass gefallen." Oder Helmut Schmidt: Der habe die SPD als Partei der wirtschaftlichen Kompetenz verankert. Er habe in schwierigsten Zeiten "geführt - im besten Sinne des Wortes". Und er sei bereit gewesen, für das als notwendig Erachtete zur Not die Macht zu opfern. So, klang hier durch, wie Schröder selbst mit den Reformen der Agenda 2010, die ihn das Amt kosteten. Auch bei Egon Bahr fand der Ex-Kanzler einen Bezug zu heute: Frank-Walter Steinmeier versuche mit aller Kraft in der Tradition Bahrs zu handeln, nämlich Konflikte immer wieder durch Reden zu lösen. Steinmeier bedankte sich kurz danach mit einer bejubelten Erinnerung an Schröders Nein zum Irak-Krieg für das Lob.

Als Schröder nach 17 Minuten geendet hatte, standen alle auf und klatschten lange. Große schwarz-weiße Porträts der Verstorbenen wurden auf der Leinwand eingeblendet. Man wusste nicht, ob der Beifall ihnen oder auch dem Gedenkredner galt. Wahrscheinlich allen.