Das Urlaubsland Mecklenburg-Vorpommern lebt von Ostseeküste und Seenlandschaften - aber auch von den 2000 Schlössern, Guts- und Herrenhäusern. "1080 Häuser stehen unter Denkmalschutz, etwa 30 Prozent davon sind wieder instandgesetzt", sagt Landes-Denkmalpflegerin Ewa Prync-Pommerenke. Viele Häuser liegen idyllisch in Parks und an Seen, werden als Hotel, Restaurant, kulturell oder zum Wohnen genutzt.
Etwa 1,5 Prozent der Häuser seien wieder im Besitz der alten Familien, sagt Manfred Graf von Schwerin, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Recht und Eigentum. "Der Grund war, dass Häuser und Flächen getrennt wurden", erläutert er, der selbst um seinen Besitz in Vorpommern kämpft. Die Bodenreform hat nach dem Einigungsvertrag Bestand. Die Alteigentümer hätten ohne Boden aber mit den Häusern wenig anfangen können. Nach den Worten von Schwerin wäre als Kompromiss denkbar gewesen, den alten Familien jeweils 100 Hektar und die Häuser zurückzugeben, mit der Auflage zu investieren.
Dennoch kehrten einige Familien zurück. Zu den bekanntesten Rückkehrern gehört Freiherr Helmuth von Malt zahn, der sein Schloss Ulrichshusen im Müritzkreis als zentralen Konzertort der Festspiele Mecklenburg-Vorpommerns etabliert hat. Neben der Konzertscheune schuf er Hotelzimmer im Schloss und Gastronomie. Um dem Gästeansturm gerecht zu werden, kaufte er vom Land das benachbarte barocke Gut Tressow und baut es derzeit aus.
"Im August kommen die ersten Feriengäste", berichtet er. 2010 soll die Anlage mit Ferienwohnungen und -zimmern, Tagungshotel, Wellnessbereich und Restaurant komplett fertig sein. Rund 50 000 Gäste habe Ulrichshusen im Jahr.
Im Landkreis Demmin treibt die Familie ein weiteres Projekt voran, die Sanierung des Barockschlosses Gützkow, eines Denkmals von nationaler Bedeutung. Von Maltzahn will die beiden Kavaliershäuser mit Wohnungen und Proberäumen für junge Musiker der Festspiele ausstatten.
Eine andere Adelsfamilie, die in Mecklenburg-Vorpommern wieder Fuß gefasst hat, ist die Familie von Bassewitz auf Gut Dalwitz im Kreis Güs trow. Heinrich Graf von Bas se witz pachtete 1992 nach seiner Rückkehr aus Südamerika das Gut seiner Großeltern und betreibt Ökolandbau - er baut Kartoffeln und Getreide an, hält Mutterkühe sowie 39 000 Legehennen für Bio-Eier und züchtet südamerikanische Westernpferde. Seine Frau Lucy betreibt auf dem Gut, das seit 1349 im Familienbesitz ist, einen Ferienhof.
In Göhren bei Woldegk (Mecklenburg-Strelitz) sind Mitglieder der Familie des Hitler-Attentat-Teilnehmers Ulrich-Wilhelm Graf Schwerin von Schwanenfeld wieder sesshaft geworden.
Nicht für sein Eigentum, aber für den früheren Familienbesitz engagiert sich Hubertus Graf von Bothmer. Schloss Bothmer in Klütz in Nordwestmecklenburg ist seit Anfang 2008 im Landesbesitz, nachdem mehrere Privatisierungsversuche des Landkreises scheiterten. Im Land wurde die Sanierung von 44 Schlössern mit sechs Millionen Euro gefördert, sagt der Vorsitzende der Stiftung Denkmalschutz, Gottfried Kiesow.