Es ist bereits die zweite umfangreiche wissenschaftliche Ausarbeitung innerhalb von zwei Jahren, die sich mit der Verockerung der Spree bis zur Talsperre Spremberg beschäftigt. Es geht dabei um die Ablagerung von braunem Eisenhydroxid, das aus Kippenböden stammt, das Flusswasser trübt und Kleinstlebewesen darin schädigt. Die neue 400-Seiten-Studie kommt von Dr. Wilfried Uhlmann vom Institut für Wasser und Boden aus Dresden und wurde am Dienstagabend in Auszügen in Spremberg vorgestellt. Darin betrachtet werden die Ursachen für die Verockerung der Spree auf sächsischer Seite. Zum Teil werden Ergebnisse einer vorherigen Untersuchung berichtigt.

Während die Ausarbeitung von 2010 noch davon ausgeht, dass ein Großteil der Eisenhydroxidfrachten über die Kleine Spree transportiert wird, kommt die neue Studie zu dem Schluss, dass die Hälfte des Eisens über die Spreewitzer Rinne (Landkreis Bautzen) kommt. Die Belastung des Grundwassers in diesem Bereich sei flächenhaft. Daher werde es nicht ausreichen, die Eisenbelastung in der Kleinen Spree zu senken, sondern entsprechende Maßnahmen müssten auch im Bereich Ruhlmühle (Landkreis Görlitz) und Spreewitzer Rinne ergriffen werden. Bisher hält die Talsperre Spremberg einen großen Teil der braunen Spreesuppe auf. Kritiker befürchten, dass die Eisenhydroxidwelle über diffuse Wege auch irgendwann in den Spreewald schwappt.

Das Problem der Verockerung ist in der Lausitz seit Jahrzehnten bekannt. In Bodenschichten, die durch den Bergbau abgebaggert und umgekippt werden, lagern die Mineralien Markasit und Pyrit. Sie kommen dabei mit Luft in Berührung, wodurch Eisenhydroxid und Sulfat entstehen. Die schlummern dann in den Kippenböden. Wenn das Grundwasser in stillgelegten Tagebauen und benachbarten Böden wieder ansteigt, wird diese problematische Fracht ausgewaschen und gelangt in Flüsse wie Spree und Schwarze Elster. Dieses Phänomen wird vor allem den Altlasten, also den stillgelegten Tagebauen zugeschrieben.

Eine deutliche Abfuhr wird in der Studie Flusskläranlagen an der Kleinen Spree und Spree erteilt. Das sei wirtschaftlich nicht tragbar. Für Wissenschaftler Uhlmann kommt eine flächenhafte Grundwasser-Sanierung der Spreewitzer Rinne ebenfalls nicht infrage. Das sei zu teuer und derzeit würde dafür auch noch kein technisches Verfahren existieren.

Chancen rechnet der Wissenschaftler aber der Auffang-Wirkung von künstlichen Übergängen wie Gräben, Dränagen und Brunnen zu. Diese würden an den Übergängen der Grundwasserleiter zu den Fließgewässern installiert. Als hoffnungsvoll werden auch unterirdische Wasserbehandlungen eingestuft. Bei dieser Methode würden spezielle Mikroorganismen das belastete Wasser bearbeiten und dadurch die Eisenausfällung verhindern. Diese Methode wurde schon erfolgreich getestet - allerdings nur in Kleinstgewässern.

Als hoffnungs- und sinnvoll wird die Reaktivierung von alten Grubenwasser-Reinigungsanlagen gesehen. Eine steht zum Beispiel im sächsischen Burgneudorf (Gemeinde Spreetal). Das wäre allerdings auch mit hohen Kosten verbunden, da Gräben reaktiviert und die alten Anlagen wieder in Schuss gebracht werden müssten.

Alternativ könnte das eisenreiche Grundwasser auch einfach in den Bergbaufolgeseen verspült werden. Auch der Errichtung einer mehr als acht Kilometer langen Dichtwand entlang der Speicher Burghammer und Lohsa II werden in der Studie gute Erfolgsaussichten bescheinigt. Doch egal, welche Maßnahmen auf sächsischer Seite ergriffen werden. Es ist nicht damit zu rechnen, dass die Spree in den nächsten Jahren klares Wasser führen wird, so das Fazit.

Der zweite Teil der Studie soll im März vorgestellt werden. Darin soll es um die Eisenhydroxid- und Sulfatbelastung im Spreewald gehen. Auf das Rückhaltevermögen der Talsperre Spremberg wird in der Studie auch nicht eingegangen. Dazu wird gerade ein vom Umweltministerium und Landesumweltamt in Auftrag gegebenes Gutachten angefertigt.

Einen Bericht von der Einwohnerversammlung in Spremberg lesen Sie in der Donnerstagsausgabe der RUNDSCHAU.