Der Himmel ist an diesem Vormittag über dem Alten- und Pflegeheim "Riedelstift" in Cottbus noch leicht bedeckt. In wenigen Stunden wird sich die Sonne jedoch durchkämpfen und die Temperaturen in Richtung 30-Grad-Marke treiben. Im Garten sitzen alte Menschen in einem Kreis. Die meisten sind auf einen Rollstuhl angewiesen. Es ist die tägliche "Beschäftigungsrunde".

Sozialtherapeutin Claudia Tzschentke und Pflegedienstleiterin Mandy Görsch schenken Tee, Saft, Wasser und Kaltschale aus, helfen beim Trinken. "Wir machen das alle halbe Stunde und trinken selber auch mit", sagt die Sozialtherapeutin. Zwischen den Trinkpausen wird vorgelesen und Musik gehört.

Das Getränkeangebot werde immer wieder verändert, sagt Mandy Görsch. "Manche Senioren trinken kein Wasser oder Tee, die wollen nur Saft."

Bevor die Mittagshitze beginnt, werden die Bewohner wieder ins Haus gebracht. Dort stehen dann zum Mittagessen wieder reichlich Getränke auf dem Tisch. In Zimmern mit bettlägerigen Bewohnern gibt es auch Klimaanlagen.

Hohe Temperaturen verlangen vom Personal von Altenheimen besondere Aufmerksamkeit. Die hochbetagten Bewohner sind besonders anfällig für Kreislaufprobleme und Austrocknung. "Wir haben deshalb besondere Dienstanweisungen für diese Situationen", sagt Michaela Lorenz. Sie ist Geschäftsführerin der Cottbuser Pflegeeinrichtung des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB).

"Da geht es aber nicht nur um ausreichendes Trinken, sondern auch darum, auf Kopfbedeckungen zu achten und dass niemand in der Sonne bleibt, der sich selbst nicht schnell genug helfen kann, weil er vielleicht im Rollstuhl sitzt", so Lorenz. Für das Pflegepersonal stehe kostenlos Mineralwasser zur Verfügung. Denn Altenpflege ist auch körperlich anstrengende Arbeit, besonders bei großer Hitze.

Ingeborg Hauff hat es sich im Schatten des Eingangsbereiches auf ihrem Gehwagen bequem gemacht. In zwei Wochen wird die Cottbuserin 75 Jahre alt. Die Sommerwärme mag sie nicht mehr: "Das geht auf den Kreislauf." An die frische Luft geht sie bei Hitze auch nur am Vormittag, und dabei bleibt sie im Schatten. Neben vielen Getränken gebe es jetzt im Heim auch Melone und Kaltschale: "Man hat ja bei der Wärme nicht so viel Appetit."

Als junge Frau habe sie die Sommerhitze geliebt, erzählt Ingeborg Hauff. Da sei sie oft baden gegangen, obwohl sie nie schwimmen gelernt habe. Zusammen mit ihrer Tochter habe sie nach dem Mauerfall sogar zwei Mal Badeurlaub am Mittelmeer gemacht, auf Mallorca und Ibiza. Daran erinnert sich die Rentnerin noch genau: "Da war es wirklich richtig heiß."