Immer noch herrscht Fassungslosigkeit bei den Einwohnern von Altdöbern (Oberspreewald-Lausitz). In der Nacht zum Freitag haben dreiste Räuber versucht, einen Geldautomaten der Spreewaldbank zu sprengen. Die Explosion war jedoch so groß, dass innerhalb weniger Minuten der ganze Gebäudekomplex Feuer gefangen hat. Die Bankfiliale, der anliegende Netto-Markt, eine Filiale der Vetschauer-Wurstwaren, der Bäckerei Fuchs sowie ein Blumenladen sind dabei komplett abgebrannt. Die Feuerwehr konnte das Gebäude nicht mehr retten. Ob die Täter an die Geldkassetten gelangen konnten, ist bisher noch nicht bekannt. Ganze Existenzen wurden durch den Versuch in nur einer Nacht zerstört.

Wie die von Carmen Wundersee. Erst am 1. Juni dieses Jahres eröffnete sie eine Geschenk- und Blumenboutique in dem Marktkomplex in der Schulstraße. Nun steht sie vor einem Scherbenhaufen. Besorgt schaut sie durch die zerborstenen Scheiben ihres Ladens. Vom Inventar sind lediglich ein paar Blumentöpfe übrig geblieben. Einige wenige Gerbera, die die Hitze überlebt haben, lassen traurig und welk die Köpfe hängen. "Ich hatte mich schon nachts auf den Weg nach Altdöbern gemacht und wollte meinen Augen nicht trauen", seufzt die außerhalb wohnende Unternehmerin. "Von den Altdöbernern bin ich herzlich aufgenommen worden und konnte sogar schon Stammkunden gewinnen", sagt sie.

Auch Sven Thamm, Vorstandsmitglied der Spreewaldbank, hat sich noch in der Nacht auf den Weg nach Altdöbern gemacht. Ein verheerendes Bild hat sich ihm dort geboten: Der Vorraum der Filiale besteht nur noch aus einzelnen Fetzen. Selbst Trennwände wurden aus den Verankerungen gerissen. Von einem Millionenschaden ist die Rede. Zahlen will und kann Thamm noch nicht bestätigen. Froh sei er, dass über der Bankfiliale keine Mieter wohnen.

Ob sich solche Überfälle durch weitere Sicherheitsvorkehrungen vermeiden lassen, ist fraglich. "Genau so schnell, wie wir nachrüsten, so schnell sind solche Täter ihrerseits technisch aufgerüstet", sagt er. Es sei nicht zu vermeiden, dass in den Automaten Geld lagere. "Das ist für Täter wohl attraktiv."

Für die Spreewaldbank ist das nicht der einzige Angriff auf einen Geldautomaten gewesen. Bereits im Februar 2014 wurden sie Opfer einer ähnlichen Attacke. Damals versuchten unbekannte Täter, den Automaten in Straupitz (Dahme-Spreewald) zu sprengen. Solche Angriffe häufen sich in der Region. Erst vor wenigen Wochen haben Unbekannte versucht, einen Geldautomaten in Petkus (Teltow-Fläming) zu sprengen. Die Täter haben dabei ebenfalls das gesamte Gebäude mit einem Einkaufsmarkt und weiteren Einrichtungen zerstört, wie Polizeisprecher Dietmar Keck auf RUNDSCHAU-Nachfrage mitteilt. Anfang des Monats haben Räuber außerdem einen Geldautomaten in Vehlefanz (Oberhavel) zerstört und die Bankfiliale stark beschädigt.

Dennoch seien die Angriffe auf Geldautomaten im Land Brandenburg im Vergleich zu anderen Straftaten nicht allzu häufig, so Dietmar Keck. Versuche, solche Automaten mit Gas oder Pyrotechnik zu öffnen, um an die Geldkassetten und deren Inhalt zu kommen, ereignen sich aber zum Glück bisher nur gelegentlich, so der Polizeisprecher.

Und dennoch: Die Zahl der Diebstähle an Geldautomaten nimmt in Deutschland zu. Laut der Polizeikriminalstatistik wurden im vergangenen Jahr 18 953 Fälle von schweren und besonders schweren Diebstählen an Automaten registriert. Das sind 1346 Diebstähle mehr als 2013. "Die kriminelle Energie, mit der diese Angriffe durchgeführt werden, ist tatsächlich bemerkenswert. Hier wird ein enormer Sachschaden verursacht, und es wird auch eine erhebliche Gefährdung von unbeteiligten Personen zumindest in Kauf genommen", sagt Dietmar Keck. Auffällig ist dabei, dass sich die Diebstähle vor allem in kleineren Orten häufen. So wurden in Städten unter 20 000 Einwohner im vergangenen Jahr 6212 Fälle von Diebstählen an Automaten registriert, während in Städten mit mehr als 500 000 Einwohnern 3513 Diebe zugeschlagen haben.

"Die Täter denken vielleicht, dass sie hier leichter an das Geld kommen", vermutet Rosi Woraschk, die lange Zeit in Altdöbern gewohnt hat. Noch immer ist sie geschockt von der Tat. "Ich bekomme eine Gänsehaut, wenn ich auch nur daran denke", sagt die 66-Jährige. Für sie ist es zur Tradition geworden, den Einkaufsmarkt in der Schulstraße zu besuchen. Beinahe täglich war sie dort. Man treffe Bekannte und bekomme alles, was man braucht.

Daher hält auch Wilfried Tributh, Geschäftsführer der Vetschauer Wurstwaren, an dem Standort fest. "Vermutlich muss der Altdöberner Einkaufsmarkt ganz und gar neu aufgebaut werden. Dort wollen wir auch unsere neue Filiale wieder einrichten. Denn wir haben in Altdöbern viele treue Stammkunden", erklärt er. Bis dahin werden die drei Fachverkäuferinnen ihre Arbeit nicht verlieren, versichert er. In der Urlaubszeit werden die Mitarbeiterinnen in einer der anderen 16 Filialen in der Region eingesetzt. Auch Carmen Wundersee hält an ihrer Idee von einer Geschenk- und Blumenboutique fest. Von der Tragödie will und wird sie sich nicht unterkriegen lassen: "Für mich steht fest - ich wage den Neuanfang und mache weiter."