Es war der Tag, an dem die Liberalen in einer Umfrage erstmals jene Zustimmung erreichten, von der sie so lange geträumt haben: 18 Prozent. Doch Westerwelle wollte sich darüber öffentlich nicht freuen. "Ich mach' doch den gleichen Fehler nicht zweimal." "Kein Jubel" befohlen 2002 hatte er sich die 18 Prozent, die ihm sein damaliger parteiinterner Kontrahent Jürgen W. Möllemann als Wahlziel aufgedrückt hatte, noch unter sein Schuhwerk geklebt und in die Kameras gehalten. Doch aus dem "Projekt 18" wurde nichts. Der damalige Spaßwahlkampf mit "Guidomobil" und der "Kanzlerkandidatur" Westerwelles endete mit desaströsen 7,4 Prozent und in der Opposition. Gestern wollte der Vorsitzende "diese Zahl zwischen 17 und 19" nicht einmal mehr in den Mund nehmen. Gleich morgens gab sein Pressesprecher Christoph Steegmanns per Mail an alle FDP-Abgeordneten die Losung aus: keine Jubel-Reaktionen. Die Zurückhaltung ist verständlich. Erstens glauben im Regierungsviertel viele, dass Forsa-Chef Manfred Güllner gelegentlich absichtlich ext reme Werte veröffentlicht. "Der setzt gerne mal eine Zahl", sagte gestern ein Parteivorsitzender. Güllner produziert so Schlagzeilen und profitiert von weiteren, die automatisch folgen. Denn nach einer extrem hohen Zahl beginnt regelmäßig der angebliche "Sturzflug" einer Partei, nach einer niedrigen die "Aufholjagd". Zweitens ist offensichtlich, dass es sich weitgehend um einen "Austausch im bürgerlichen Lager" handelt, wie Güllner selbst analysierte. Die Union kommt nämlich nur noch auf 34 Prozent (SPD 23, Grüne zehn, Linke elf Prozent). Unzufriedene Unions-Anhänger wandern offenbar zu den Liberalen. Links-Fraktionschef Gregor Gysi erklärte sich das so: "Die FDP ist berechenbar, die Union nicht." Und das bekümmert auch Guido Westerwelle. "Die Wirtschaftskompetenz der Union verdunstet", sagte er mit Blick auf die Vorgänge um Ex-Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU). Kritik an Merkel Die Kritik der Liberalen richtet sich zunehmend auf Angela Merkel. Wenn sie für CDU/CSU nicht mehr Stimmen holt als 2005 (35,2 Prozent), könnte es mit der angestrebten schwarz-gelben Koalition wieder nichts werden. Unterschwellig wächst bei den Liberalen schon die Sorge, Merkel und andere in der Union wollten heimlich eine Fortsetzung der Großen Koalition mit der SPD. In einer aktuellen Stunde auf Antrag der Grünen ging es am Mittwoch im Bundestag um "Führungsverantwortung der Bundeskanzlerin in Zeiten der Wirtschaftskrise". Während sogar die SPD, wenn auch mit zweischneidigen Worten, Angela Merkel stärkte, griff der Abgeordnete Patrick Döring für die FDP an: Dass die Kanzlerin nicht führe, sei eigentlich kein aktuelles Thema, sagte er. "Das erleben wir seit Wochen." Die Union müsse wieder klar für die soziale Marktwirtschaft eintreten.