So ganz dumm würde sie sich nicht anstellen beim Ausmisten der Ställe und Abdecken der Silos. Das wusste Maria Hippel schon, als sie ihren ersten Dienst bei der Agrargenossenschaft Niederseidewitz in der Sächsischen Schweiz antrat. Immerhin betreibt ihr Vater nebenbei im nicht weit entfernten Dörfchen Herbergen bei Liebstadt selbst hobbymäßig eine kleine Landwirtschaft.

Bäuerin will Maria nicht werden

Doch Maria Hippel will keine Bäuerin werden. Die 19-Jährige hat gerade eine Ausbildung zur Bankangestellten bei der Volksbank Pirna begonnen. Was also macht sie jetzt zwischen all den Kühen in Niederseidewitz?

Bankerzwirn gegen Mistgabel

Ganz einfach: Der Ausflug in die Landwirtschaft steht auf dem Lehrplan. Vier Wochen tauschen die Auszubildenden der Volksbank Pirna den feinen Banker zwirn gegen Mistgabel und Traktor. Statt in ihren Geschäftsstellen helfen die zwei jungen Frauen bis Ende Oktober in Agrargenossenschaften in der Region aus.

Die Agrarwirtschaft in der Sächsischen Schweiz ist ein wichtiger Kundenstamm der Genossenschafts-Bank, auf den sich die künftigen Mitarbeiter schon mal einstellen sollen. "Was spricht also dagegen, zu wissen, mit welcher schweren körperlichen Arbeit sie ihr Geld verdienen?", fragt Hauke Haensel, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Pirna. "Ich finde, das ist eine gute Schule." Auf diese Weise sollten die Auszubildenden lernen, respektvoll mit den Agrarkunden umzugehen und die Bedürfnisse der potenziellen Bankkunden kennenlernen.

Das ungewöhnliche Projekt wurde vor zwei Jahren erstmals getestet - und fand großen Anklang auf beiden Seiten. Die Landwirtschaftsbetriebe freuten sich über die helfenden Hände - und die Auszubildenden über einmalige Erfahrungen. Sie durften Traktor fahren, mussten Kühe in Form von Knackern vom Schlachthof abholen und schwärmten davon, bei der Geburt von Kälbern dabei gewesen zu sein.

Maria Hippel hat in den vergangenen Tagen und Wochen in Niederseidewitz schon kräftig mit angepackt. "Das ist wirklich unheimlich anstrengend, macht aber richtig Spaß", sagt sie. Und das, obwohl morgens um halb sechs der Wecker klingelt. Eine Stunde später muss sie in voller Arbeitsmontur auf der Matte stehen. Dann geht es frisch ans Werk: Kälber versorgen, Klauen schneiden - und sogar Kühe melken. Das Vormelken per Hand überlässt sie bis jetzt noch lieber den Experten. Beim Anschließen der Melkmaschinen ist sie dagegen schon voll dabei.

"Dann schon eher die Zahlen"

Wie es nach ihrem Ausflug in die Landwirtschaft bei der Volksbank weitergeht, das weiß sie noch nicht. Womöglich besucht sie als Nächstes einen Bäckereibetrieb oder arbeitet als Zimmermann. "Nein, nein, mein Ding sind dann schon eher die Zahlen", sagt die 19-Jährige. "Obwohl, ein paar Wochen länger mit den Kühen würde ich schon aushalten."