Auf den ersten Blick ist alles wie immer. Deutsches Haus in New York, Ecke First Avenue und 49th Street, schräg gegenüber von den Vereinten Nationen. Hier hat Guido Westerwelle während der alljährlichen UN-Woche sein Hauptquartier, hier gibt er seine Erklärungen ab.

Wieder geht es um die großen Themen der Weltpolitik: Syrien, Iran, Israel und so weiter. Nur, dass Westerwelle seit dem Rauswurf der FDP aus dem Bundestag nur noch Minister auf Abruf ist. Oder auch: der "Draußenminister", wie seit dem Wahlabend gespottet wird. Ein letztes Mal also, nach 102 besuchten Ländern, noch die ganz große Bühne: Vollversammlung der Vereinten Nationen, Treffen mit allen möglichen Leuten, bis hin zum neuen iranischen Präsidenten, und ganz viele Konferenzen zu den verschiedensten Themen, von Abrüstung bis Wilderei. Am Samstag hat Westerwelle dann zum vierten und abschließenden Mal während einer UN-Generaldebatte das Wort.

Ins politisch neu aufgestellte Berlin kommt er erst am Sonntag zurück. Aber geht das überhaupt? Darf man das, als abgewählter Minister? Bis in die FDP hinein gibt es Leute, die die Abschiedstour des Ex-Vorsitzenden nach New York nach dem 4,8-Prozent-Debakel von Sonntag für unangemessen halten. Beim letzten Treffen der FDP-Fraktion im Reichstag fiel einem der eigenen Leute dazu sogar das böse Wort von der "spätrömischen Dekadenz" ein, das Westerwelle bei anderer Gelegenheit selbst in die Debatte eingeführt hatte. Im Auswärtigen Amt heißt es zu der Kritik, eine Absage von New-York-Reise Nummer 13 habe trotz Wahlausgang nie zur Debatte gestanden.

Bevor er sich auf den Nachtflug gemacht hatte, sicherte sich Westerwelle in einem längeren Telefonat jedoch die Rückendeckung der Kanzlerin. "Deutschland muss bei der UN-Vollversammlung mit einem Minister vertreten sein", wurde Angela Merkel anschließend zitiert.

Da ist etwas dran: Für einen deutschen Staatssekretär hätte Präsident Hassan Ruhani aus dem Iran wohl keine Zeit. Zudem gilt: Die schwarz-gelbe Bundesregierung ist so lange im Amt, bis es eine neue gibt. Nach Grundgesetz sind auf Bitten des Bundespräsidenten Kanzler oder Kanzlerin verpflichtet, die Geschäfte bis zur Ernennung eines Nachfolgers weiterzuführen. Gleiches gilt sinngemäß für die Minister. Die neuen Machtverhältnisse lassen vermuten, dass dies dauern könnte. Deutschlands Außenminister könnte also durchaus noch einige Wochen lang Westerwelle heißen; manche im Auswärtigen Amt reden schon von Weihnachten.