Das Kulturbüro berät Vereine, Kommunen, Firmen und Institutionen zum Thema Rechtsextremismus. "Es ist richtig, dass die Medien zum Beispiel sehr stark über die parlamentarischen Untersuchungsausschüsse zum NSU berichteten", sagte Hanneforth. Der Untersuchungsausschuss des Bundestages fördere ja in der Tat seltsame Dinge über die Arbeit der Behörden zutage. Daneben gebe es aber im Alltag die verbreitete "Hinnahme, Duldung und das Verschweigen von Neonaziaktionen". Wenn Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sage, dass Neonazis in einigen Teilen Ostdeutschlands das zivilgesellschaftliche Leben unterwanderten, seien gleich zwei Dinge falsch, sagte die Expertin.

"Erstens ist es kein ostdeutsches, sondern ein deutsches, wenn nicht gar ein europäisches Problem". Zweitens sei der Begriff "unterwandern" falsch. Rassismus gehöre zu den Einstellungsmustern eines Querschnitts der Bevölkerung. "Es gibt keine Nazis, die versuchen, Sportvereine zu übernehmen. Sie sind einfach da", betonte Hanneforth. Auf diesem Nährboden entstünden organisierte und nicht organisierte Neonazistrukturen.

Hanneforth sprach sich dafür aus, dass Medien den Rechtsextremismus schon dort aufgreifen sollten, wo dieser noch nicht unmittelbar sichtbar ist. Es gehe um Themen, wo Neonazis mit ihrer typischen Propaganda andocken könnten. Als Beispiel nannte sie die Abwertung von bestimmten Gruppen. Wenn es heiße, Hartz-IV-Empfänger oder Asylbewerber wollen sich nur in der sozialen Hängematte ausruhen, fördere das bestimmte Stimmungslagen. Neonazis biete sich dann ein "argumentatives Einfallstor".

Hanneforth wünsche sich, dass Medien zum Beispiel Fragen der Asylpolitik häufiger kritisch aufgriffen. Derzeit seien Zuwanderer vor allem dann gewünscht, wenn sie als Facharbeiter benötigt würden. "Für Flüchtlinge und für uns als Gesellschaft geht es aber um Menschenrechte, nicht um Fragen der Nützlichkeit. Auch bei Arbeitslosen, Sozialhilfeempfängern und Leiharbeitern stellen sich Fragen nach der Menschenwürde und der Verantwortung der Wirtschaft", so Hanneforth.