Entgegen vieler Gerüchte - meist verbreitet über soziale Netzwerke - läuft es in der Notunterkunft zur Erstaufnahme von Flüchtlingen reibungslos. Das Deutsche Rote Kreuz als Betreiber im Auftrag des Landes Brandenburg, die Wachschutzfirma und der Dienstleister für Verpflegung und Reinigung leisten gute Arbeit. Auch wenn sich Abläufe eingespielt haben, muss noch viel improvisiert werden.

Wie viele Bewohner leben in der Zeltstadt?
Am Donnerstagmorgen waren es 449 - das kratzt an der Kapazitätsgrenze. Aufgenommen werden nur Männer. Dass in der vergangenen Woche die Unterkunft nahezu leer war, hat das Innenministerium gestern nicht bestätigt. Aber: Es gibt ein ständiges Auf und Ab der Bewohnerzahl. Beispiel: Am 7. Oktober waren es 302 Männer, am 8. Oktober 234. Wegen des anhaltenden Flüchtlingsstroms ist es notwendig, Neuankömmlinge häufig direkt von Berlin-Schönefeld nach Doberlug-Kirchhain zu bringen und dort vorläufig zu registrieren. Später erfolgt in der Zentralen Erstaufnahmestelle in Eisenhüttenstadt die endgültige Registrierung und medizinische Erstuntersuchung.

Warum kehren viele Flüchtlinge Doberlug-Kirchhain sofort den Rücken?
Es zieht sie in größere Städte, andere Länder, auch zu Bekannten und Verwandten. Das trifft nicht nur auf Doberlug-Kirchhain zu. Die Erstaufnahmestellen sind keine Gefängnisse. Die Bewohner dürfen die Unterkunft uneingeschränkt verlassen. Das tun sie nicht zuletzt deswegen, weil im Gelände kaum Mobilfunkempfang ist. Sie werden an der Pforte vom Wachdienst namentlich regis-triert. Sind sie bis 22 Uhr nicht zurück, wird die Einsatzleitung darüber informiert, so der Sprecher von der Firma City-Schutz. Täglich um 6 Uhr wird dem Innenministerium von der Zentralen Aufnahmestelle die aktuelle Belegung in Doberlug-Kirchhain gemeldet, um freie Kapazitäten für Neuzugänge zu nutzen.

Wer kümmert sich um die Bewohner?
Der DRK Landesverband Brandenburg hat derzeit acht hauptamtliche und fünf ehrenamtliche Mitarbeiter vor Ort. Deren Zahl richtet sich nach der Belegung. Für den Regelbetrieb in den Festunterkünften, die bis Dezember vom Land baulich hergerichtet werden, stellt der DRK Kreisverband Lausitz weitere Mitarbeiter ein. Die Gespräche dazu laufen.

City-Schutz hat derzeit 18 Mitarbeiter für Doberlug-Kirchhain eingestellt. Deren Aufgabe ist es, deeskalierend zu wirken - sowohl bei Auseinandersetzungen im Objekt als auch bei Gefahr von außen. Sie arbeiten rund um die Uhr im Zwei-Schicht-System. Weitere 27 Bewerber werden in Finsterwalde geschult.

Warum sollen Handtücher und Hygieneartikel gespendet werden?
Jeder Bewohner bekommt bei Ankunft ein Hygiene-Set, Schlafsack, Kissen, Decke und Handtuch. Das Duschgel ist zuerst aufgebraucht, so die Pressesprecherin vom DRK. Handtücher trocknen bei Nebel und Regen schlecht. Deshalb der Spendenaufruf. Gebraucht werden auch Regenschirme! Kleiderspenden sollten an die DRK-Kleiderkammern gegeben werden. Dort werden sie bei Bedarf abgerufen.

Woher kommt die Verpflegung?
Die Wisag Facility Service Holding GmbH hat für die Verpflegung in der Zeltstadt aktuell 13 Mitarbeiter eingestellt. Sie versorgen derzeit bis zu 460 Bewohner mit Frühstück, Mittagessen, Abendessen. Regionale bzw. traditionelle Gerichte finden ebenso ihren Platz wie kulturelle Besonderheiten (z. B. Fladenbrot und der komplette Verzicht auf Schweinefleisch). Die Zahl der Portionen schwankt von Tag zu Tag oder auch innerhalb eines Tages. "Es ist gut möglich, dass wir zum Frühstück 460 Gäste haben, zum Mittagessen dann ungeplant aber nur 300, und am Nachmittag neue Flüchtlinge ankommen, mit denen sich die Zahl der Gäste für das Abendessen wieder erhöht", sagt eine Sprecherin des Unternehmens. Das sei für den Einkauf der Lebensmittel und die Planung der Mahlzeiten sehr her ausfordernd. Noch gibt es keine Möglichkeit, vor Ort zu kochen. Die Versorgung erfolgt aus Containern und Zelten. Die Speisen werden in der Manufaktur im Cook & Chill-Verfahren zubereitet, gekühlt in die Unterkunft geliefert und vor Ort regeneriert und portioniert. "Die Lebensmittel beziehen wir über die bei uns gelisteten Lieferanten. Einer davon hat seinen Sitz in Sachsen. Backwaren beziehen wir von einer Bäckerei mit Filialgeschäft in Doberlug-Kirchhain", so die Sprecherin. Mit den Festunterkünften wird auch eine neu ausgestattete Küche zur Verfügung stehen, in der dann täglich frisch vor Ort gekocht wird. Es sind bereits fünf Köche eingestellt, die eingearbeitet werden und sich mit Essgewohnheiten anderer Kulturen vertraut machen.

Was wird an Lebensmitteln gebraucht?
Pro Tag verbraucht der Caterer bei Vollbelegung etwa 1400 kg Lebensmittel und Getränke. Pro Woche werden etwa 80 Kilogramm Butter, 4500 Fladenbrote und Brötchen, knapp 6500 Liter Mineralwasser, Tee und Kaffee verbraucht.

Wie wird die medizinische Versorgung gewährleistet?
Eine hausärztliche Betreuung ist in der Unterkunft gewährleistet. Bei Bedarf werden Bewohner zum Zahnarzt oder Facharzt gebracht. Die Kosten trägt das Land.