Nur Stunden nach Beginn ihrer Großoffensive im Süden des Iraks haben amerikanische und britische Truppen am Freitag erste strategische Erfolge gemeldet.
 Alliierte Einheiten könnten bereits „binnen drei bis vier Tagen“ die irakische Hauptstadt erreichen, sagte ein britischer Militärsprecher. Sie träfen bei ihrem Vormarsch im allgemeinen auf wenig Widerstand. Dem wurde von irakischer Seite heftig widersprochen.

Amerikanisch-britische Truppen nahmen offenbar die südirakische Hafenstadt Umm Kasr nach mehrstündigen Gefechten ein. Ein eingeflogener Reporter des US-Fernsehsenders CNN berichtete, in der strategisch wichtigen Stadt sei es inzwischen wieder ruhig. Eine größere Zahl von Gefangenen werde in einem Lagerhaus festgehalten. BBC und Abu Dhabi TV meldeten hingegen, es werde weiter gekämpft.

Der britische Premier Tony Blair bestätigte, dass die Halbinsel Fao vor der südirakischen Hafenstadt Basra ebenfalls fest in der Hand der Alliierten sei. Die wichtigen Ölquellen seien gesichert. Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon hatte zuvor im Unterhaus erklärt, dass rund 30 Ölquellen im Südirak in Brand gesetzt worden seien. CNN zeigte Bilder aus Kuwait-Stadt, wo dichte schwarze Rauchwolken am nördlichen Horizont zu sehen waren.

Der irakische Informationsminister Mohammed Sajjid el Sahhaf widersprach vor der Presse in Bagdad den Erfolgsmeldungen der Amerikaner und Briten. Er dementierte erste Meldungen über die Einnahme von Umm el Kasr. Die Bilder vom Vormarsch der Amerikaner und Briten im Südirak seien ebenso gefälscht wie die Aufnahmen von irakischen Soldaten, die sich ergeben.

Es war weiter unklar, ob der irakische Machthaber Saddam Hussein bei den gezielten Luftangriffen zu Beginn des Krieges verletzt worden ist.

Erste Verluste der Alliierten

Die Alliierten meldeten indessen erste Verluste. In Nord-Kuwait kamen nach offiziellen Angaben acht britische und vier amerikanische Soldaten beim Absturz eines Helikopters ums Leben. Der Transporthubschrauber vom Typ CH-46 Sea Knight sei nicht durch feindlichen Beschuss abgestürzt, sagte ein britischer Militärsprecher. Außerdem ist nach Angaben des Pentagon ein US-Marineinfanterist gefallen. Der Irak meldete den Abschuss eines amerikanischen Kampfflugzeugs. Dafür gab es keine Bestätigung.

In der Hauptstadt Bagdad herrschte am Freitag gespannte Ruhe, nachdem die Stadt in der Nacht zuvor erneut mit mehreren Marschflugkörpern angegriffen worden war. Dabei wurden nach irakischen Angaben 37 Zivilisten verletzt. Die Stadt zeigte nach Berichten der dort stationierten dpa-Korrespondenten eine relative Normalität. Bei den Luftangriffen wurden mindestens zwei Regierungsgebäude im Umfeld des irakischen Präsidentenpalastes gezielt getroffen, wie Journalisten sehen konnten.

Die irakische Armee setzte ihre Raketenangriffe auf Kuwait fort. Nach kuwaitischen Angaben konnte die Luftabwehr eine irakische Rakete abfangen, die gegen den Luftwaffenstützpunkt Ali el Salim gerichtet gewesen sei.

In Deutschland forderten auch am zweiten Tag des Militärschlages Tausende ein Ende der Kämpfe. Allerdings gingen wesentlich weniger Menschen auf die Straße als am Donnerstag, als weit mehr als 200 000 Bürger demonstriert hatten. In Halle, Nürnberg und Mannheim protestierten mehrere tausend Jugendliche. Vor dem Hauptquartier der US-Landstreitkräfte in Heidelberg besetzten rund 1000 Jugendliche die Straße.


600 000 Flüchtlinge erwartet

Angesichts der Kampfhandlungen fliehen die Menschen nach Jordanien. Die Organisation für Migration (IOM) sprach in Genf am Freitag von einen „anhaltenden Strom“ von Ausreisenden, besonders von sudanesischen, ägyptischen oder somalischen Staatsangehörigen, die im Irak gearbeitet haben. Bisher seien etwa 500 Menschen von der jordanischen Grenze in Lager gebracht worden, sagte IOM-Sprecherin Niurka Pineiro.

Dagegen konnte der Sprecher des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Kris Janowski, noch keine größeren Flüchtlingsbewegungen melden. Vor allem gebe es keine Berichte, wie es im Inneren des Irak aussehe und ob sich Menschen dort schon auf der Flucht befänden.

Janowski verwies darauf, dass es auch im Golfkrieg 1991 während der Kampfhandlungen kaum große Flüchtlingsbewegungen gegeben habe. Dies sei erst später losgegangen. Auf die Frage, ob die Grenzen der sechs Nachbarstaaten für Flüchtlinge offen seien, sagte Janowski: „Wir haben bisher kein Nein gehört.“ Es sei aber wenig wahrscheinlich, dass es Fluchtmöglichkeiten etwa nach Kuwait oder Saudi-Arabien geben werde. Das UNHCR ist auf die Flucht von 600 000 Menschen aus dem Irak vorbereitet.

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