Kein Kopf gleicht dem anderen - das gilt auch für solche aus Sandstein. Nach gründlicher Analyse jeder einzelnen Figur an der Fassade des Kaufhaus Görlitz wurde jetzt eine umfangreiche Kartierung erstellt. 24 Figuren - jede 1,70 Meter hoch - sowie zwei Figurengruppen wurden dazu genauestens von Restaurator Robert Vallentin, Steinmetz und Steinbildhauermeister, unter die Lupe genommen. "Dafür bedurfte es besonderer Wetterverhältnisse, feuchtes Wetter verlängert so eine Analyse deutlich", weiß der Steinexperte. "Die Schadensausprägung ist von Figur zu Figur völlig unterschiedlich, ich behandele daher auch jedes dieser Schmuckstücke als Sonderfall, für den unterschiedliche Maßnahmen notwendig sind."

Ausgebessert und saniert wird entweder direkt am Gebäude oder aber in Vallentins Werkstatt in Ostritz. "Kleine Abspaltungen beispielsweise können direkt an der Fassade gereinigt, repariert und ergänzt werden", sagt Vallentin, der in den kommenden Wochen bei der Arbeit an dem mehr als 150 Millionen Jahre alten Sandstein zu sehen sein wird.

Im ersten Schritt werden alle gefährdeten Teile entfernt, damit auch der Bauzaun wieder weichen kann. Dieser wurde Anfang Januar zum Schutz der Passanten aufgestellt, nachdem sich der Kopf einer Sandsteinfigur gelöst hatte.

"Bei dem verwendeten Steinmaterial handelt es sich um einen Sandstein, der Lagerschichten aufweist. Das Material, das die einzelnen Schichten im Steingefüge verbindet, ist weicher als der Sandstein selbst und deshalb kommt es hier zu einem schnelleren Materialabtrag", erläutert Peter Mitsching, Leiter des Denkmalschutzes in Görlitz.

Die Figuren wurden aus dem gleichen Material wie die Fassade gearbeitet und mit der Errichtung der Sandsteinverblendung aufgebaut. Auch an der Fassade sind Oberflächenarbeiten und Fugensanierungen nötig. "Die Figuren wurden bereits in der Vergangenheit einer Sanierung unterzogen und erhebliche Bereiche dabei durch angetragenes Material oder Einsetzen von Sandsteinteilen repariert", berichtet Mitsching. "Offensichtlich sind diese Arbeiten in den 50er- oder 60er-Jahren ausgeführt worden." Belege seien jedoch nicht aufzufinden.

Nach dem Gutachten sowie der Restaurierung und Sanierung der historischen Sandsteinfiguren werden präventive Maßnahmen ergriffen. "Dazu gehören imprägnierende Spezialbeschichtungen, das Stabilisieren durch sogenannte Edelstahlseelen oder eine Vernadelung sowie ein Schutz gegen Tauben", sagt Kaufhaus Görlitz Projektleiter Jürgen Friedei. "Das oberste Ziel ist es, möglichst viel des Originals zu erhalten und zum Schutz der Substanz die geeignetsten Maßnahmen zu ergreifen."