Schon vor Jahren hat der Alleen-Erlass Brandenburgs festgelegt, dass trotz Beseitigung gefährlicher Situationen die Alleen als Ganzes erhalten werden müssen und sie zum wertvollen Kulturgut des Landes gehören. Nun legte Meyer die Jahresbilanz für 2001 vor. Demnach wurden insgesamt in Brandenburg 3061 Alleebäume gefällt, aber nur 1745 gepflanzt. Vor allem die Alleen an Bundesstraßen wurden weiter beeinträchtigt und zerstückelt. Dort fielen im vergangenen Jahr 1018 Alleebäume, während lediglich 125 gepflanzt worden waren.
In Meyers Mitteilungen ist denn auch von "anfänglichen Schwierigkeiten" die Rede. Er gibt "derzeitige Pflanzdefizite" zu, die in einer längerfristigen Alleebilanz aufgefangen werden sollen. Laut Meyer sollen für die 3061 gefällten Bäume in Zukunft weitere 4786 eingesetzt werden, allein an den Bundesstraße 1775. Nach Schätzungen der Landesregierung würden sowohl für Neupflanzungen als auch für Fällungen ausreichend Mittel zur Verfügung stehen.

Skepsis nach einem Jahrzehnt
Als Meyer vor einigen Monaten die Zehn-Jahres-Bilanz der Alleebäume vorlegte, zeigte sich schon, dass Grund zur Skepsis besteht. Demzufolge wurden in den letzten zehn Jahren an diesen Straßen 60 848 Bäume gefällt. Im Gegenzug seien zwischen 1991 und 2000 insgesamt 57 083 Bäume nachgepflanzt worden. Umweltschützer sehen sich dadurch in ihrem Verdacht bestätigt, dass trotz eines Alleen-Erlasses der Bestand der landschaftsprägenden Alleen an den wichtigen Verkehrsadern zurückgeht.
Die PDS sprach von einer Mogelpackung. Die verkehrspolitische Sprecherin Dagmar Enkelmann führt die Differenz auf Vernachlässigung und unsachgemäße Beschneidung zurück. Das hat Minister Meyer zurückgewiesen. Ihm zufolge werden Neupflanzungen nach den geltenden Richtlinien zunächst drei Jahre lang "intensiv überwacht". Wenn Bäumchen nicht angewachsen oder abgestorben sind, dann würden sie im Auftrag der Straßenbauverwaltung ersetzt.

BUND fordert Änderungen am Erlass
Der BUND äußerte den Verdacht, dass die Pflicht zur Nachpflanzung von Alleebäumchen durch gezielte Vernachlässigung sabotiert wird. Es gebe genügend Verdachtsmomente, dass die zugesagten Neuanpflanzungen nach der Fällung von Alleebäumen nicht in genügendem Maße vorgenommen werden, sagte BUND-Vorsitzende Angelika Zahrnt und forderte Veränderungen im Erlass. Die notwendige Pflege durch die zuständigen Straßenämter werde durchaus von Region zu Region "unterschiedlich gehandhabt", hatte Umweltminister Wolfgang Birthler diese Sorge teilweise bestätigt.
Der BUND hatte ferner vermutet, dass die Alleen an großen Straßen zerstückelt, aber an kleinen Feldwegen als "Ersatz" dafür angelegt werden. Auch die Jahresbilanz 2001 scheint das zu bestätigen: Während an sonstigen Straßen (unterste Kategorie) nur 27 Bäume gefällt wurden, gab es dort 241 Neupflanzungen.
Verkehrsstaatssekretär Clemens Appel hatte diese Kritik des BUND scharf zurück gewiesen. Er sei "wütend", wenn er von bestimmten Organisationen permanent den Vorwurf hinnehmen müsse, dass das Ministerium die Alleen vernichten wolle.