Mit großen Schritten laufen Frauen zielstrebig durch die Gänge. Die Kinder im Schlepptau steuern sie die Spielzeugabteilung an. Männer hangeln sich in der Schmuckabteilung von Vitrine zu Vitrine oder lassen sich lieber gleich beraten. Ehepaare sind gemeinsam unterwegs, um den Fehlkauf des Liebsten unterm Weihnachtsbaum so schnell wie möglich auszubügeln. Alle Generationen sind vertreten. Die meisten von ihnen wollen Geschenke umtauschen, Gutscheine einlösen oder Weihnachtsgeld ausgeben.

Es ist alles andere als ein gewöhnlicher Montagvormittag in der Galeria Kaufhof Cottbus. Es ist der erste Verkaufstag nach den Feiertagen, der erste Verlaufstag nach dem Geschenke-Auspacken und den besinnlichen Stunden mit der Familie. Aus der Weihnachtsdeko im Kaufhaus werden Schnäppchen, es muss Platz für die Faschingssachen her. Verpufft ist er, der Weihnachtszauber.

Hinter der Kasse in der ersten Etage tippen, scannen und verpacken acht Hände im Akkord. Ein Kunde nach dem anderen, es läuft wie am Fließband. "Wir haben in den nächsten Tagen definitiv keine Langeweile", versichert Verkäuferin Editha Klotsche. Zeit zum Reden bleibt kaum, obwohl sich doppelt so viele Mitarbeiter hinter der Kasse zwischen Herrenkleidung und Sportartikeln tummeln, als üblich.

Im Vergleich zum Vorjahr sei der "rege Umtausch" am ersten Verkaufstag nach Weihnachten ganz normal, sagt Filialgeschäftsführerin Christine Rödiger. "Besonders Spielwaren, Schmuck und Herrenbekleidung werden häufig umgetauscht."

Bei Letzterem hat sich auch Monika Hofmann aus Cottbus vertan. Die langen schwarzen Socken kamen bei Enkelsohn Sebastian nicht ganz so gut an. "Er hat mir gleich unterm Weihnachtsbaum gesagt, dass weiße und kürzere Socken besser wären. Also tausche ich die jetzt einfach um", sagt die 68-Jährige und freut sich über den guten Service im Kaufhaus. Denn wer hier Geschenke geshoppt hat, kann diese - egal aus welchen Gründen - problemlos umtauschen. Der fünfjährige Jan Hentschel allerdings hatte einen sehr guten Grund, sein Weihnachtsgeschenk, eine Carrera-Rennbahn, auszuwechseln. Denn die hat einfach nicht funktioniert. Jetzt funkeln Jans Augen. Ebenso wie die von Nina Brentzel. Die kleine Cottbuserin hat ein Kinderbrettspiel doppelt bekommen und eins davon gegen einen trällernden Plastik-Vogel ausgewechselt. "Bei uns kamen die ersten Kunden mit Umtausch-Wunsch schon wenige Minuten nach der Ladenöffnung", sagt Kathleen Hahm aus der Spielwarenabteilung. Von elektrischen Fahrzeugen über Kinderspiele bis zu Nachthemden wurde alles getauscht.

Auch eine Etage tiefer, in der Schmuckabteilung, tummeln sich Kunden mit ihren Weihnachtsgeschenken in der Tasche. Ein junger Mann holt ein Schmuckset aus dem Beutel. Weiße Perlen-Ohrringe mit Swarovski-Steinen und eine dazu passende Halskette. So etwas aber habe seine Frau schon. Sie möchte sich lieber etwas anderes aussuchen, sagt der Cottbuser.

Schmuckverkäuferin Nadine Nowak hat schon einige Geschenke zurück in die Vitrine legen müssen. Obwohl sie nicht nach den Gründen fragt, bekommt sie die aber hin und wieder mit. "Heute hat ein Kunde ein Schmuckstück zurückgegeben, weil es sich erledigt hätte . . ." , sagt Nadine Nowak. Vor dem Fest habe sie ihn noch für das Geschenk beraten. "Aber viele sind auch da, um sich von ihrem Weihnachtsgeld Armband, Ohrring oder Kette zu gönnen", erzählt sie. Oder, um die neue Uhr anpassen zu lassen.

Nach Einschätzung des Einzelhandelsverbands Berlin-Brandenburg (HBB) geht das Weihnachtsgeschäft nach den Feiertagen eigentlich weiter. "Neben dem Umtausch geht jetzt das Ausgeben der Geldgeschenke los", sagt Günter Päts vom HBB. Davon profitiere dann schließlich auch der Textilhandel, der mit Weihnachtsgeschenken in diesem Jahr eher weniger Umsatz einfahren konnte. "Die Temperaturen waren zu mild und haben nicht dazu animiert, Daunenjacken unter den Weihnachtsbaum zu legen", sagt Päts. Weil es bald aber kälter werde, könne der Textilhandel von den Geldgeschenken profitieren.

Obwohl der Trubel in den Kaufhäusern dieser Tage groß scheint, hat das Umtausch-Geschäft in den vergangenen Jahren nachgelassen. "Die Tendenz geht immer mehr zu Gutscheinen oder Geldgeschenken. Proportional verringert sich dazu das Risiko vom Umtausch", sagt Günter Päts. Auch in der Galeria Kaufhof-Filiale beobachtet Christine Roediger diesen Trend. In den kommenden Tagen also wird der Trubel weitergehen - ob dank Umtausch, Gutscheinen oder Geldgeschenken.

Zum Thema:
Das Weihnachtsgeschäft im Einzelhandel in Berlin-Brandenburg fiel besonders für den Spielwarenhandel positiv aus. Textil- und Sportfachhandel mussten hingegen einbüßen. Das liegt nach Einschätzungen des Handelsverband Berlin-Brandenburg (HBB) zum Teil an den milden Temperaturen in der Vorweihnachtszeit. Der HBB geht derzeit davon aus, dass Berlin den Vorjahresumsatz von fast 15 Milliarden Euro erreichen wird. In Brandenburg wird es dagegen knapp: Die rund 7,6 Milliarden Euro Umsatz sind 2015 für das Bundesland schwer zu erreichen. Bundesweit wird mit einer Steigerung des Jahresumsatzes von bis zu zwei Prozent auf insgesamt 471 Milliarden Euro gerechnet. Die Zahlen wird der Handelsverband Ende Februar bekannt geben.