Drei Minuten dauert ungefähr ein Musikstück im Radio. So kurz ist auch die durchschnittliche Zeitspanne zwischen zwei Wohnungseinbrüchen in Deutschland. Nach der noch unveröffentlichten Kriminalstatistik, über die gestern die Zeitung "Die Welt" berichtete, lag die Zahl der entsprechenden Fälle im vergangenen Jahr bei 167 136. Das ist ein Anstieg gegenüber 2014 um 9,9 Prozent. Noch höher war die Zahl zuletzt im Jahr 1993. Damals wurden laut Polizeistatistik rund 227 000 Wohnungseinbrüche registriert.

In Brandenburg, wo die Statistik für 2015 bereits vorliegt, wurden 4436 Wohnungseinbrüche erfasst. Das sind 445 mehr als im Vorjahr. Betroffen ist vor allem das Berliner Umland, in dem eine gemeinsame Ermittlungsgruppe geschaffen wurde, um den Einbrecherbanden auf die Spur zu kommen. Dennoch sinkt die Aufklärungsquote der Polizei in diesem Bereich. "Die anhaltend ungünstige Entwicklung bereitet mir große Sorge", sagt Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD).

"Solche Delikte sind oft schwerer aufzuklären als ein Mord", erläuterte der Chef des Bundes deutscher Kriminalbeamter (BDK), André Schulz. So gebe es meist kaum Zeugen oder Spuren, und nur die allerwenigsten Einbrecher würden auf frischer Tat ertappt. Auch die Fülle der "Tatgelegenheiten" sei nicht zu unterschätzen - in Deutschland gibt es immerhin mehr als 40 Millionen Privathaushalte.

Ein Schwerpunkt der Wohnungseinbrüche sind die Großstädte. Das belegen auch Erfahrungen der sächsischen Polizei. "Die Fallzahl in den Landkreisen Bautzen und Görlitz liegt deutlich unter der der Großstadtregionen", sagt Polizeisprecher Thomas Knaup in Görlitz. 2014 war Bautzen der Kreis mit den wenigsten Wohnungseinbrüchen in Sachsen.

Experten unterscheiden zwischen mehreren Tätertypen. Da ist der klassische Wohnungseinbrecher, der in Deutschland lebt und sich mit Kriminalität finanziert. Eine andere Gruppe bilden Täter, die ihre Spiel- oder Drogensucht mit dem Diebesgut finanzieren. Viele Probleme bereiteten aber auch organisierte Tätergruppen aus Osteuropa, erläuterte Schulz. Und wie lässt sich der wachsenden Einbruchswelle beikommen? Mehr Personal sei nur ein Aspekt. Auch die Aus- und Fortbildung der Kriminalpolizei sei stark verbesserungsbedürftig, so der BDK-Chef. "Jeder Bürger muss sich aber auch nach seinem eigenen Sicherheitsempfinden schützen."

Brandenburgs Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke sieht das ähnlich: "Bundesweit brechen die Täter in vier von zehn Fällen einen Einbruchsversuch erfolglos ab, in Brandenburg liegt dieser Wert nur bei drei von zehn." Sprich: Wenn die Eigentümer Fenster und Türen stärker sicherten, könnten mehr Einbrüche verhindert werden.

Weil das Thema schon im vergangenen Jahr die Gemüter erregte, hat die Bundesregierung bereits ein Förderprogramm für private Eigentümer und Mieter aufgelegt. Wer Alarmanlagen einbaut oder Türen und Fenster besser sichert, kann dafür einen Zuschuss zwischen 200 und 1500 Euro von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bekommen. Die Förderhöhe richtet sich nach dem Umfang der Investitionskosten. Nach Auskunft der KfW werden die Hilfen gut angenommen. Bislang gab es rund 10 000 Anträge auf Unterstützung. Vom 1. April an können auch zinsgünstige KfW-Kredite von bis zu 50 000 Euro zum Schutz in den eigenen vier Wänden genutzt werden.

Der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach sieht in solchen Maßnahmen allerdings nur die zweitbeste Lösung. "So richtig der Eigenschutz auch ist, es wird die Menschen nicht beruhigen, wenn sie sich selber um ihre Sicherheit kümmern sollen." Nötig sei eine bessere internationale Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von reisenden Tätergruppen, erklärte Bosbach.