ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:37 Uhr

Alkohol, Drogen und ein Totschlag mit der Machete

Nach Macheten-Attacke in Bestensee: Angeklagter Ulrich Sch. wird wegen Totschlags zu sieben Jahren Haft verurteilt.
Nach Macheten-Attacke in Bestensee: Angeklagter Ulrich Sch. wird wegen Totschlags zu sieben Jahren Haft verurteilt. FOTO: Ch. Taubert
Cottbus. Das Landgericht Cottbus verurteilt Angeklagten aus Bestensee zu sieben Jahren Haft nach brutaler Bluttat gegen einen Kumpel. Christian Taubert

Was sich in der ersten Oktobernacht im Jahre 2016 in einer Wohnung in Bestensee (Dahme-Spreewald) zugetragen hat, kommt nach den Schilderungen vor Gericht einer brutalen Gräueltat gleich: Zwei Kumpel trinken - wie schon so oft - gemeinsam Alkohol. Auch Drogen sind im Spiel. Urplötzlich kommt es zum Streit. Ulrich Sch. greift schließlich zu einer Machete. Er schlägt zu und trifft Sascha K. am Kopf. Ein Schlag, der das Opfer kaum noch handlungsfähig lässt. Als K. sich an die Wunde fasst und das Blut spürt, schlägt Sch. weitere acht Mal zu. Er trifft Nacken und Wirbelsäule.

Spätestens dann ist das Opfer nach Einschätzung der Gerichtsmediziner bewusstlos. Doch der "Saufkumpel" Sch. kann noch immer nicht ablassen. Er verlässt kurz die Wohnung. Als der Täter zurückkommt, sind Zorn und Verärgerung offenbar noch immer so groß, dass er weitere 15 Mal mit der Machete ausholt und zuschlägt. Mit einer solchen Wucht, dass die Ermittler Knochenstücke aus dem Schädel finden und das Gehirn deformiert ist. Das Urteil: sieben Jahre Haft wegen Totschlags in minder schwerem Fall.

Am Freitagmittag wird der Angeklagte in den Saal 209 des Landgerichtes Cottbus geführt. Er muss sich nicht setzen, denn das Hohe Gericht betritt den Saal. Der Vorsitzende Richter Frank Schollbach verkündet das Urteil - bis dahin ist keine Minute vergangen.

Die Urteilsbegründung nimmt der Mann um die Dreißig, dem Gutachter narzisstische Züge bescheinigen, mit nach vorn geneigtem Kopf wahr. Er stützt das Haupt auf die rechte Hand. Aus dem Jackettärmel guckt ein bis zum Handgelenk tätowierter Arm heraus. Mit den Fingern streift der gerade Verurteilte durch gut ein Dutzend Lippenpiercings. Das markante Nasenpiercing und die breiten Koteletten prägen das Gesicht.

Richter Schollbach spricht von einem "komplizierten Sachverhalt". Die Einschätzung resultiert einerseits aus den nicht vorhandenen Tatzeugen. Andererseits habe der Angeklagte seine Angaben immer wieder dem Prozessstand angepasst. So hatte Sch., der sich mit Sascha K. im Sommer 2016 angefreundet hatte, angegeben, dass in besagter Tatnacht literweise Bier, eine Flasche Whisky und drei Porter geflossen seien. Da Sachverständige beim Opfer aber lediglich 0,21 Promille Blutalkohol festgestellt hatten, musste das Gericht die Angaben des Tatverdächtigen anzweifeln. Auch hatte dieser ausgesagt, dass Sascha K. gerade ein Jagdmesser in Berlin gekauft hätte, mit dem er ihn in der Tatnacht bedroht hatte. Das Messer sei aber nie gefunden worden.

Widersprüche blieben zudem bei den Angaben von Sch. zum Auslöser des Streits. Er hätte seinem Kumpel gesagt, dass dieser seinen Lebenswandel mit Alkohol und Drogen ändern müsse. Daraufhin hätte K. ihm einen Fausthieb versetzt und gewürgt. Und die Machete, mit der sie schon Passanten im Stadtwald erschreckt hatten, hätte zufällig auf dem Fußboden gelegen.

Für das Gericht hat sich dagegen im Prozessverlauf - mit der Anhörung der Freundin von Sch. sowie den Erkenntnissen von Gutachtern - der eingangs geschilderte brutale Tathergang herauskristallisiert. So hatte die Freundin ausgesagt, dass wegen eines Vergleiches "Wer hat das größere Messer?" die Machete in der Tatnacht in die Wohnung des Opfers gelangt sein könnte. Der Täter hatte sie am nächsten Morgen in einem See versenkt.

Trotz des fragwürdigen Auslösers des Streits kann das Gericht nicht unbewertet lassen, dass Sascha K. die zunächst handgreifliche Auseinandersetzung begonnen, Sch. in Notwehr gehandelt habe. Spätestens nach der Abwehr des Angriffs sei es aber darum gegangen, Sascha K. zu töten. Der Vorsitzende Richter verweist aber auch darauf, dass sich der Tatverdächtige im Prozess eingelassen, er Reue gezeigt und keine Vorstrafen habe. Auf Totschlag in minder schwerem Fall sieht das Gesetz ein bis zehn Jahre Freiheitsentzug vor.

Staatsanwalt und Nebenklage hatten zwölf Jahre Haft gefordert. "Wir waren nicht von einem minder schweren Fall des Totschlags ausgegangen", erklärte Staatsanwalt Martin Mache der RUNDSCHAU. Der am 1. Oktober 2016 Getötete war erst nach einer Vermisstenanzeige der Mutter am 16. Oktober gefunden worden. Auf die Spur zu Ulrich Sch. waren die Ermittler letztlich durch ein Selfie gekommen, das Ulrich Sch. erst am Morgen nach der Tat gesendet hatte, um sich selbst zu entlasten. Im Dezember 2016 war Sch. schließlich festgenommen worden.

Der Verteidiger hat gegenüber der RUNDSCHAU angekündigt, seinem Mandanten zu empfehlen, in Revision zu gehen.