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| 01:06 Uhr

Alg-II-Antrag füllten viele mithilfe anderer aus

Ines Becker , 39 Jahre, aus Jeßnigk , arbeitslos seit August 2003. „Ich habe meinen Alg-II-Antrag mit einer Betreuerin aus dem Amt Schönewalde ausgefüllt. Alleine hätte ich das nicht gepackt. Danach lief alles reibungslos.

Ich habe das erste Geld bereits auf dem Konto, allerdings weniger als ich erhofft hatte."
Ute Richter, 39 Jahre, aus Guben , seit 2001 arbeitslos: "Ich hatte eigentlich keine Probleme mit dem Antrag. Ich habe ihn vom Arbeitslosenverband ausfüllen lassen, weil er mir zu umfangreich war."
Angelika Fischer , 49 Jahre, aus Hoyerswerda , seit 14 Jahren arbeitslos, (Weberin) wartete gestern in der Agentur für Arbeit in Hoyerswerda auf eine Erklärung: "Ich habe im Oktober den Antrag auf Arbeitslosengeld II gestellt. Mitte Dezember wurde er bewilligt. Allerdings habe ich bis heute kein Geld bekommen. Denn meine Kontonummer wurde offensichtlich falsch aufgenommen."
Susanne Schröder, aus Luckau , 42 Jahre, seit der Geburt ihres jüngsten Kindes arbeitslos und bislang Arbeitslosenhilfeempfängerin, von Beruf Konserviererin: "Mit meiner Antragstellung hat alles problemlos geklappt. Bereits im Dezember habe ich die erste Überweisung erhalten. Trotzdem wäre es mir natürlich lieber, wenn ich für einige Stunden am Tag arbeiten gehen könnte. Aber mein Mann ist auf Montage, kommt nur alle vier Wochen nach Hause und ich muss mich um unsere Kinder kümmern. In meinem Beruf müsste ich in Schichten arbeiten, was sich mit unserer Situation nicht vereinbaren lässt."
Karin Krause, 42 Jahre, aus Finsterwalde , gelernte Indus triekauffrau, arbeitslos seit über zehn Jahren: "Mit Hartz IV habe ich jeden Monat rund 300 Euro weniger zur Verfügung. Was die Berechnung vom Arbeitslosengeld II an geht, werde ich auf jeden Fall in Widerspruch gehen. Ich bekomme 3,69 Euro so genanntes Heizungsgeld. 50 Cent kassiert davon die Bank für die Buchung. Dafür wurde unsere Bedarfsgemeinschaft im wahrsten Sinn durchleuchtet. Wir mussten alles vorlegen - vom Mietvertrag bis zur Autozulassung. Im Bescheid heißt es, dass mein Mann rund 190 Eu ro zu viel verdient. Wenn wir alle laufenden Kosten abziehen, bleiben uns 400 Euro im Monat zum Leben. Davon gibt mein Mann etwa 200 Euro Benzingeld aus, weil er täglich in den Spreewald zur Arbeit fahren muss. Genau genommen stehen uns in der Woche 50 Euro zur Verfügung. Wir haben schon die Riester-Rente und den Bauspar-Vertrag gekündigt. Wir sind in einem Tanzklub, können uns jetzt die Kleidung für die Auftritte nicht kaufen und sind im Grunde genommen ausgeschlossen. Die Arbeits agentur hat mir außerdem mitgeteilt, dass ich ab 1. Januar 2005 nicht mehr bei meiner Krankenkasse, der DAK, versichert sein darf, sondern ich mich bei der Kasse meines Mannes mitversichern muss. Das muss ich jetzt erst einmal klären. Ich kann nur hoffen, dass ich mir jetzt nicht noch ein Bein breche."
Bärbel Ziegler, 37 Jahre, aus Krausnick , arbeitslos seit August 2002: "Eher durch Zufall bin ich dahinter gekommen, dass unsere Familie offenbar nicht mehr krankenversichert ist. Mein Mann ist mit Beginn des neuen Jahres ebenfalls arbeitslos geworden, sodass wir jetzt mit ungültigen Krankenkassenkarten dastehen. Bis zur Klärung ist es wohl besser, wenn uns und unserem Kind momentan nichts passiert."
Regina Suppan, 56 Jahre, aus Vetschau fühlt sich erniedrigt. Jahrzehnte habe sie in der Landwirtschaft schwer gearbeitet. Jetzt müsse sie mit 200 Euro für den Lebensunterhalt auskommen. "Es ist so entmündigend, wenn man alle seine Ausgaben offenlegen und vom Nötigsten leben muss, während Politiker neben ihrer Arbeit auch noch Gehälter großer Konzerne beziehen." Im September schon habe sie sich unter Druck gesetzt gefühlt. "Ich wurde angerufen, endlich den Antrag für das Arbeitslosengeld II einzureichen, obwohl mir im Sommer gesagt wurde, dass im Oktober/November Zeit dafür ist."
Hans-Jürgen Grütmacker, 51 Jahre, aus Forst , vier Jahre arbeitslos: "Ich habe meinen Bescheid rechtzeitig erhalten. Allerdings musste ich in einem zweiten Anlauf noch Nachbesserungen wie die Befreiung von den Rundfunkgebühren geltend machen. Ich wusste zunächst nicht, dass dies möglich ist. Aus dem Antrag war dies auch nicht ersichtlich."
Thea Kunze, aus Hohenleipisch , seit 1992 mit Unterbrechungen arbeitslos: "Es war ein großes Poblem, überhaupt jemanden zu finden, der einen sachkundig beraten konnte. Ich war sehr unzufrieden mit der Art der Antragstellung. Im Nachhinein hat sich auch herausgestellt, dass einiges falsch berechnet worden ist und bestimmte Ausgaben gar keine Rolle spielten. Nicht gut finde ich, dass dem Bescheid nirgendwo zu entnehmen ist, welche Aufwendungen bei der Berechnung mitberücksichtigt wurden. Deshalb habe ich Widerspruch eingelegt."