Am Tag danach läuft Bürgermeister Andreas Fredrich mittags über den Senftenberger Marktplatz. Er wechselt hier und da ein paar Worte mit Bürgern. "Natürlich sprechen mich vor allem die Menschen an, die sich freuen, dass ich als Bürgermeister bleibe", bestätigt er. Und das tue gut. "Meine Stimmung schwankt im Zwei-Stunden-Rhythmus noch zwischen Enttäuschung und Erleichterung", sagt Fredrich.

Den wirtschaftlich grundsätzlich prosperierenden, aber finanziell schwachen Landkreis Teltow-Fläming auch mit derzeit unübersichtlichen politischen Verhältnissen wieder auf Erfolgskurs zu bringen, sei eine spannende Herausforderung. Mit nunmehr 50 Jahren habe er noch einmal eine berufliche Veränderung wagen wollen. Politisch beschädigt sieht sich der Sozialdemokrat durch die knappe Niederlage bei der Landratswahl vom Vorabend nicht. Der SPD-Politiker ist bis Januar 2015 als Rathauschef in Senftenberg gewählt und bleibt. "Obwohl ich mich auf die neue Aufgabe schon gefreut hätte, freue ich mich auch, die Stadt in den nächsten Jahren noch schöner zu gestalten und weiter voranzubringen", sagt Andreas Fredrich.

Die Niederlage für die "große Koalition" aus SPD und CDU bei der Wahl zum neuen Landrat in Teltow-Fläming lässt in den Potsdamer Parteizentralen die Alarmglocken läuten. "Ich bin mir sicher, dass unsere Abgeordneten zu Fredrich gestanden haben", betont CDU-Landeschef Michael Schierack gegenüber der RUNDSCHAU. Offenbar haben aber selbst SPD-Abgeordnete für die Linke Wehlan gestimmt. Dass wenigstens drei Abgeordnete des SPD-CDU-Bündnisses nicht für den eigenen Kandidaten votiert haben, ist bereits nach dem ersten Wahlgang offensichtlich gewesen. Die Sozialdemokraten verlieren auf der Kommunalebene unterhalb der Landesverwaltung weiter an Boden. Vor Wahlen ein schlechtes Signal.

"Das ist schon ein schwarzer Tag für die SPD", bewertet FDP-Landesvorsitzender Gregor Beyer das Ergebnis. Immerhin sei Teltow-Fläming seit 1990 eine Hochburg der Sozialdemokraten gewesen. Doch die dem Ex-Landrat mit SPD-Parteibuch zur Last gelegte Vorteilsnahme im Amt ist offenbar nicht spurlos an den Sozialdemokraten im Kreis vorbeigegangen. Der für die Liberalen als Landratskandidat angetretene Hans-Peter Goetz erkennt an, dass sich mit Kornelia Wehlan letztlich jene Bewerberin durchgesetzt habe, die bei der Direktwahl durch die Bürger zweimal vorn gelegen hatte. Dass dabei jeweils weniger als 15 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben hatten und die Entscheidung an den Kreistag gegangen ist, "das ist der Kandidatin nicht zur Last zu legen", erklärt Goetz. Rechnerisch liegt allerdings nahe, dass Liberale und Bauern in der Stichwahl als Steigbügelhalter von Wehlan agiert und der Linken das politische Feld im Luckenwalder Kreishaus überlassen haben. Im Potsdamer Landtag, in dem sowohl Wehlan als auch Goetz für ihre Parteien sitzen, werden dagegen unversöhnliche Standpunkte propagiert.

Die Senftenberger SPD-Landtagsabgeordnete Martina Gregor-Ness räumt ein, dass sich der Bürgerwille durchgesetzt habe. "Dennoch tut es mir sehr leid, was hier geschehen ist", sagt sie. Fredrich sei ein "exzellenter Kandidat" gewesen, der in Senftenberg nachgewiesen habe, "dass er Verwaltung kann". Dass es in geheimen Wahlen immer anders kommen könne als erwartet, "das gehört zur Demokratie", sagt Gregor-Ness, die bereits als mögliche Bürgermeister-Kandidatin für Senftenberg gehandelt wurde.