Für die Ermordung des Chefredakteurs des Blatts, das die Zeichnung veröffentlicht hatte, bot die Gruppe Islamistischer Staat Irak im Internet weitere 50 000 Dollar an. Wie ein Polizeisprecher in Stockholm gestern bestätigte, erhalten der Künstler Lars Vilks und der Chefredakteur von "Nerikes Allehanda", Ulf Johansson, ab sofort Polizeischutz.
"Wir nehmen das ernster als frühere Drohungen", hieß es zur Begründung. Die Lokalzeitung in Örebro hatte bereits am 19. August eine Zeichnung von Vilks mit Mohammed als Hundestatue in einem Kreisverkehr veröffentlicht, um damit einen Leitartikel über Meinungsfreiheit zu illustrieren. Vom schwedischen Geheimdienst SÄPO verlautetete gestern, man bewerte den Mordaufruf zwar "vor allem als Propaganda", werde nun aber sehr genau Reaktionen aus radikalen islamistischen Gruppen in Schweden beobachten.
Vilks, den der Mordaufruf von Al Qaida bei einem Besuch der Kunstausstellung documenta in Kassel erreichte, sagte im schwedischen Fernsehen: "Angst habe ich nicht. Aber man muss natürlich schon ein bisschen genauer über die eigene Schulter gucken." In der per Tonbandaufnahme im Internet verbreiteten Aussetzung des Kopfgeldes hieß es: "Von heute an rufen wir alle auf, das Blut des Karikaturisten zu vergießen, der es gewagt hat, den Propheten zu entwürdigen." Das Kopfgeld erhöhe sich auf 150 000 Dollar, sollte Vilks "wie ein Schaf geschlachtet" werden.
Ebenso wie Vilks kritisierte Johannsson das Ausbleiben einer offiziellen Reaktion der schwedischen Regierung. Der Chefredakteur von "Nerikes Allehanda" sagte im Rundfunksender SR: "Ich begreife nicht, warum man die Bedrohung eines schwedischen Bürgers mit dem Tode nicht verurteilen kann." Aus der Kanzlei von Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt wurde am Wochenende jeder Kommentar verweigert. Ein Sprecher erklärte, es gehe "ausschließlich um eine polizeiliche und nicht um eine politische Angelegenheit".
Deutlich verschärfte Sicherheitsmaßnahmen in islamischen Ländern kündigten namhafte schwedische Konzerne wie Volvo, Ikea, Ericsson, Scania und Electrolux an. Vom Mobilfunk-Unternehmen Ericsson verlautete, bis auf Weiteres wolle man in islamisch geprägten Ländern die schwedische Flagge nicht mehr hissen. Eine Ikea-Sprecherin sagte: "Wir nehmen das sehr ernst." Bei den weltweiten Protesten gegen dänische Mohammed-Karikaturen Anfang 2006 hatte neben Krawallen mit mehr als 100 Toten auch massive Käuferboykotts gegen Produkte aus dem skandinavischen Land gegeben. (dpa/kr)