Bis 30. April soll der Bewertungsausschuss, ein Gremium aus Spitzenverbänden von Ärzten und Krankenkassen, Stellung nehmen. Zudem werden die sogenannten nicht-ärztlichen Praxisassistentinnen auch Thema bei der Konferenz der Gesundheitsminister Anfang Mai. Vor knapp einem Jahr waren die Gemeindeschwestern offiziell in das Vergütungssystem aufgenommen worden. Auf Druck der Krankenkassen legte der Bewertungsausschuss Fallpauschalen fest, die deutlich geringer ausfallen als bei dem 2008 beendeten "Agnes"-Projekt am Medizinischen Zentrum Lübbenau. Statt zuvor 21,50 Euro plus Fahrtkosten bekommen die Gemeindeschwestern beim Erstbesuch eines Patienten nun 17 Euro, bei weiteren Besuchen 12,50. Welche Wege die Gemeindeschwestern zurücklegen müssten oder wie lange die Behandlung dauert, spielt keine Rolle. Geräte-Einsatz gestrichen"Das ist zu wenig", sagt die Leiterin des Lübbenauer Gesundheitszentrums, Karin Linke, zur Vergütung. Sie musste hart kalkulieren, um wenigstens die Kosten zu decken. Doch den Einsatz medizinischer Geräte wie EKG oder Videokonferenzen musste sie streichen. "Wenigstens wurde bei uns die Ausbildung der Schwestern noch gefördert. Andere Praxen müssen dafür bezahlen und die Kosten wieder über die Vergütung ausgleichen." Grüne-Gesundheitsexpertin Ursula Nonnemacher, selbst Ärztin, spricht von einem "Rohrkrepierer", das Modell sei betriebswirtschaftlich unrentabel. Mit 17 Euro seien die Aufgaben nicht zu bewältigen, sagte die SPD-Abgeordnete Sylvia Lehmann. "Dafür muss man nicht Mathematik studiert haben." Und Ralf Herre von der Kassenärztlichen Vereinigung in Brandenburg nennt die Pauschalen "wirtschaftlichen Unsinn". Dagegen warnt der CDU-Gesundheitspolitiker im Landtag, der Cottbuser Michael Schierack, die Gemeindeschwester sei kein Allheilmittel. Es fehle ein Gesamtkonzept der Landesregierung, um Ärzte ins Land zu holen.Die Praxisassistentinnen sollen die Ärzte in unterversorgten Gebieten entlasten, Blut abnehmen, Blutdruck und Zuckerwerte messen, Wunden versorgen, sich einen Eindruck verschaffen - alles wofür den Hausärzte keine Zeit bleibt. Denn während im Schnitt ein Hausarzt etwa 900 Patienten betreut, liegt die Zahl in Brandenburg bei 1200 bis 1700. Immerhin sorgen die Assistentinnen für einen Ausgleich. Nach Angaben der AOK stieg die Zahl der Hausbesuche von 4200 im Jahr 2006 auf 6400 im vergangenen Jahr. Bisher werden in Brandenburg laut Ministerium 21 Praxisassistentinnen in 19 Hausarztpraxen in sieben unterversorgten Gebieten eingesetzt: in Angermünde, Brandenburg Land, Forst, Guben, Jüterbog, Pritzwalk und Schwedt. Karin Linke aus Lübbenau glaubt, es könnten mehr sein - wenn die Pauschalsätze höher lägen. Die SPD-Gesundheitsexpertin im Landtag, Sylvia Lehmann, fordert daher vom Bewertungsausschuss, auch Kosten für Ausstattung und Fahrten zu berücksichtigen. Die Aussichten auf höhere Pauschalen sind jedoch gering. Auf Bundesebene sperren sich die Krankenkassen. "Wir halten die vereinbarten Sätze für gerechtfertigt", sagte eine Sprecherin des Kassen-Spitzenverbandes.Prüfung neuer ModelleBundesgesundheitsminister Rösler lässt aber nicht nur die Kosten prüfen, es geht auch um neue Modelle. Die Landesregierung in Potsdam zeigt sich jedenfalls optimistisch, es gebe keine Denkverbote, heißt es. Dazu gehören etwa regionale Lösungen, Gemeindeschwestern könnten im Verbund für mehrere Praxen arbeiten. Der Einsatz in Pflege und bei Schmerzpatienten ist im Gespräch, um die Stellen rentabal zu machen. Zudem wird über Fonds auf Landesebene nachgedacht, um Zuschüsse für Fahrten zu geben.