Ab und zu huscht eine Katze vorbei. Ansonsten hält der Tierpräparator auf seinem illustren Anwesen in Fürstenwalde (Oder-Spree) ausschließlich leblose Geschöpfe - die allerdings sehen täuschend echt aus: Allerlei konservierte heimische Tiere wie Enten oder Steinmarder hat Winkler da in seiner Sammlung. Aber auch Haie, Schwertfische, Würgeschlangen, Antilopen und unzählige andere Exoten. Die Sensation steht mitten im Garten: ein afrikanischer Elefant in Originalgröße samt Stoßzähnen.

“Ich will den Leuten zeigen, wie es bei ihnen zu Hause aussehen könnte„, sagt Winkler. Seine Zielgruppe sind vor allem die Jäger und Angler in der Mark. Ein erlegtes Wildschwein oder ein geangelter Hecht etwa schmecken nicht nur gut, sondern können als präparierte Trophäen später auch eine Wohnstube schmücken. Mit solchen Diensten verdienen Präparatoren ihr Geld. Präpariert wird aber auch in Museen, Kliniken und wissenschaftlichen Instituten. Schon die alten Ägypter hatten Präparatoren für ihre Mumien. Von Winklers Tierausstellung sind insbesondere Kinder begeistert. Zusammen mit seiner Frau macht er regelmäßig Führungen durch seine Ausstellung in Fürstenwalde und hält Vorträge.

Neue Arbeit von Jäger

Gerade hat der Tierpräparator von einem Jäger neue Arbeit bekommen: ein rötlich-gelber Fuchs. Schlaff liegt der Kadaver in einer Stofftasche. Das Präparieren funktioniert dann meistens so: “Die Haut des Tieres wird abgezogen und gegerbt, der Schädel ausgekocht. Danach wird die Haut naturgetreu auf einer Plastik wieder aufgeklebt„, erklärt der gelernte Baufacharbeiter. Oder aber Winkler wendet die sogenannte Fiberglas-Reproduktion an: Er fertigt vom Tier mit Hilfe von Silikon eine künstliche Form an, aus der dann ein originalgetreues Replikat entsteht. Das wird dann anschließend lebensecht koloriert. “Die Fiberglas-Reproduktion eignet sich besonders gut für Großpräparate„, erklärt der 50-Jährige. In seiner Werkstatt in Fürstenwalde kann er so auch große Fisch-, Reptilien- und Säugetier-Reproduktionen erstellen - bis zum gewaltigen Elefanten oder Weißen Hai. “Viele Wildtiere müssen heute gar nicht mehr gefangen werden, um sie sich als Trophäe ins Wohnzimmer zu hängen. Es gibt genug künstliche Formen, um lebensechte Kopien zu erstellen„, betont Winkler. Schon als Kind interessierte er sich für dieses Metier, in dem er seit 1989 als Selbstständiger tätig ist.

Replikat von Kupferhai

Neulich fing ein Kunde vor der Küste Namibias einen drei Meter langen Kupferhai. Nach dem Vermessen und Fotgrafieren ließ der Angler das Tier aber wieder ins Wasser: Winkler baute den Hai einfach anhand einer Form und der übermittelten Daten nach. “Der Kunde ist voll zufrieden mit seinem Replikat. Und das Originaltier lebt noch„, sagt der Präparator stolz.

Auch für ein Nashorn- oder Elefantenmodell lasse sich die moderne Reproduktions-Technik anwenden. Der Roten Liste der gefährdeten Tierarten könnte dies zugutekommen. Noch blüht der illegale Handel.