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| 19:37 Uhr

Nach dem Desaster der AfD-Listenaufstellung
In Sachsen geht’s um die Direktmandate

  Das Votum des Landeswahlausschusses – hier die Leiterin Carolin Schreck und ihr Vize Robert Kluger – verändert den Wahlkampf in Sachsen.    Foto: Daniel Schäfer/dpa
Das Votum des Landeswahlausschusses – hier die Leiterin Carolin Schreck und ihr Vize Robert Kluger – verändert den Wahlkampf in Sachsen.    Foto: Daniel Schäfer/dpa FOTO: dpa / Daniel Schäfer
Dresden. Wahlsieger war 28 Jahre lang die CDU. Mit der AfD ist das anders geworden. Profitieren können davon auch die Linken. Von Christine Keilholz

Der Landtagswahlkampf wird ein Kampf um die Direktmandate in Sachsen. So hat es die AfD angekündigt, weil ihre Landesliste wegen einer Reihe von Formfehlern nur noch 18 Plätze hat. Für die AfD ist das ein Desaster, denn sie steht in den Umfragen derzeit gleichauf mit der CDU auf 26 Prozent. Doch für die Landtagswahl ändert die Ankündigung der AfD wenig. Denn auf Direktmandate haben es alle abgesehen.

Schwarze Hutständer werden nicht mehr gewählt

Das ist neu bei dieser Wahl: Direktmandate sind nicht mehr allein der CDU vorbehalten. Die politische Landschaft Sachsens hat sich verändert. Die CDU verliert die unangefochtene Hausmacht, die sie 28 Jahre lang in den Regionen hatte. Oder volkstümlich ausgedrückt: Die Leute wählen keine schwarzen Hutständer mehr. Damit gerät das Machtgefüge der sächsischen CDU ins Wanken.

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Logo Wahlen 2019 FOTO: LR / Janetzko, Katrin

Die Folgen dieser Entwicklung sind bereits zu erkennen. Einige jüngere CDU-Landtagsabgeordnete treten nicht mehr an. Ihnen ist das Risiko zu scheitern zu groß. Wie der 39-jährige Patrick Schreiber. In seinem Dresdner Wahlkreis ist die Linke stark, sodass ihn die AfD die entscheidenden Stimmen kosten kann. Schreiber hat sich aus der Politik zurückgezogen, wie auch seine Kollegin Aline Fiedler. Die 43-jährige Kulturpolitikerin aus Dresden will sich „beruflich neu orientieren“, wie sie erklärt hat.

Gerade in den großen Städten ist der Vorsprung der CDU auf die Konkurrenz eng, sodass es am 1. September zu empfindlichen Niederlagen kommen könnte. Im urbanen Umfeld ist es für die Christdemokraten immer schwerer, sich zu behaupten. Auch für profilierte Parteigrößen wie den Justizminister Sebastian Gemkow. Der Leipziger suchte sich lieber den ländlichen Wahlkreis 35 in Nordsachsen, wo die Chancen auf Sieg besser stehen als in seiner Heimatstadt. Auch der Ex-Polizeipräsident Bernd Merbitz, ein kampferfahrener Haudegen, tritt in Nordsachsen an. Die Nominierung der Kandidaten im Winter glich deshalb mancherorts einem Verschiebebahnhof – und die Wahl der CDU-Landesliste wurde zum ersten Mal zu einer interessanten Veranstaltung. Um sicher zu gehen, dass die CDU ihre Leistungsträger ins Parlament bekommt, muss sie alle Register ziehen. Derlei schien lange undenkbar. Bisher kamen die anderen Parteien nicht heran, das ändert die AfD.

Spannend wird es insbesondere dort, wo die AfD bei der Bundestagswahl 2017 und zuletzt bei der Europawahl die Mehrheit gewann. Die Lausitz und das Erzgebirge stehen besonders im Fokus, denn hier hat die AfD seit 2014 mehr und mehr Anhänger gewonnen.

Linke hofft auf mehr als ein Direktmandat

Hoffnungen kann sich auch die Linke machen. Die langjährige Nummer zwei im sächsischen Parteiengefüge konnte schon 2014 einen Wahlkreis gewinnen. Bei der Bundestagswahl gewann der Linke Sören Pellmann einen Direktwahlkreis in Leipzig – er lag nur 1200 Stimmen vor dem CDU-Kandidaten Thomas Feist. „Alte Glaubenssätze gelten nicht mehr“, sagt Linken-Chefin Antje Feiks, „das eröffnet auch für uns die Chance, weit mehr als das eine Direktmandat zu erobern.“ Fünf strategische Wahlkreise in Leipzig und Chemnitz hat die Linke erkoren, dort will sie ihre Kräfte verstärken.

Die AfD weigert sich unterdessen, ihre Niederlage im Landeswahlausschuss am Freitag zu akzeptieren. Landeschef Jörg Urban hat angekündigt, gegen die Kürzung der Liste von 61 auf 18 Kandidaten juristisch vorzugehen.