| 02:34 Uhr

AfD im Osten zweitstärkste Partei

Tiefe Enttäuschung, trotzdem kann die mächtigste Frau der Welt weiterregieren – fragt sich nur, mit wem.
Tiefe Enttäuschung, trotzdem kann die mächtigste Frau der Welt weiterregieren – fragt sich nur, mit wem. FOTO: dpa
Berlin. Es ist eine Zäsur in der Geschichte der Republik. Trotz aller Warnungen zieht erstmals seit mehr 50 Jahren eine Partei rechts der Union in den Bundestag, die SPD stürzt völlig ab. Christian Andresen und Sebastian Engel /

Merkel kann Kanzlerin bleiben - die Koalitionsbildung wird aber nicht einfach.

Steiler Aufschwung der AfD, historisches Fiasko der SPD, verlustreicher Sieg der Union: Bundeskanzlerin Angela Merkel kann nach der Bundestagswahl trotz schwerer Verluste vier weitere Jahre regieren. "Wir haben einen Auftrag, Verantwortung zu übernehmen. Und das werden wir mit aller Kraft und auch in aller Ruhe in Gesprächen mit anderen Partnern dann ins Visier nehmen", sagte sie am Abend.

Ihr bisheriger Koalitionspartner SPD mit Herausforderer Martin Schulz stürzt auf ein Rekordtief. Großer Profiteur der Schlappe für die Große Koalition ist die Rechtsaußen-Partei AfD. Sie schafft nicht nur den Sprung ins Parlament, sie erobert gleich Platz drei.

Der FDP gelingt die Rückkehr in den Bundestag. Mit den ebenfalls vertretenen Linken und Grünen ergibt sich erstmals seit den 50er-Jahren wieder ein Sechs-Fraktionen-Parlament. Möglich wären so eine Fortsetzung der Großen Koalition oder ein bisher im Bund noch nie erprobtes Jamaika-Bündnis aus CDU/CSU, FDP und Grünen.

Die Wahlbeteiligung wuchs laut ARD auf 75 Prozent. Zur Abstimmung aufgerufen waren rund 61,5 Millionen Wahlberechtigte.

Merkel steht vor ihrer vierten Amtszeit. Die Union habe sich ein besseres Ergebnis gewünscht, zugleich habe man aber die Wahlziele erreicht, sagte Fraktionschef Volker Kauder (CDU). Einfach werden Gespräche über eine Regierungsbildung nicht, nachdem die SPD den Gang in die Opposition verkündet hat: Grüne und Liberale sehen wegen teils gegensätzlicher Ziele ein Dreier-Bündnis mit der Union skeptisch. Der Einigungsdruck ist aber groß, denn von einer Neuwahl könnte die AfD noch stärker profitieren. Als Koalitionspartner kommt diese für keine Partei infrage.

Die AfD schaffte es im Wahlkampf, mit provokanten Äußerungen Aufmerksamkeit zu erregen. Ihr nützte es, dass das Thema Flüchtlingspolitik eine größere Rolle spielte, als sinkende Zuzugszahlen erwarten ließen. Im Osten Deutschlands ist die AfD mit mehr als 20 Prozent zweistärkste Partei.

Mehr zur Wahl auf Seite 2 & 3 und unter www.lr-online.de