E ine eierlegende Wollmilchsau habe sie nicht gesucht, sagte Partei- und Fraktionschefin Frauke Petry am Dienstag. Sondern einfach jemanden, der die Pressearbeit der Fraktion organisiert und Kontakt mit den Journalisten hält. Das sind jetzt die Aufgaben von Andreas Harlaß. Den stellte Petry gestern in Dresden als ihr neues Sprachrohr vor.

Mit dem ehemaligen Bild-Redakteur ist die wichtigste Mitarbeiterstelle der neuen Fraktion besetzt. Wahrscheinlich weitere 14 Jobs hat Petry noch zu vergeben, gerade parlamentarische Berater braucht die AfD dringend. Parteimitgliedschaft sei übrigens nicht entscheidend, sagt die Chefin. Doch geeignetes Personal zu finden, ist nicht leicht für die AfD.

Etliche Leute hätten sich zwar gemeldet, berichtete Generalsekretär Uwe Wurlitzer gestern, es seien auch schon mehrere Verträge unter Dach und Fach gewesen. Doch dann machten die Bewerber Rückzieher. "Weil sie im Freundeskreis gesagt bekommen haben, dass es nicht von Vorteil sei, für die AfD zu arbeiten", so Wurlitzer. Auch von einer Bewerber-Welle bei der neuen Aufsteigerpartei kann bislang keine Rede sein. "Wir hatten mit mehr Anfragen gerechnet", so Wurlitzer, "gerade auch aus der FDP." Doch aus den Reihen der Liberalen meldeten sich nur ein paar Leute. "Die wollten wir dann auch nicht", so Frauke Petry.

Die 39-jährige Powerfrau der AfD ist erstmal froh, nicht mehr ihre eigene Sekretärin sein zu müssen. Endlich hat die Fraktion zwei eingestellt. Mit Haufen von Papier auf ihrem neuen Schreibtisch hat sie ihre ersten Wochen als Abgeordnete verbracht. Eine Anfrage haben die 14 AfD-Abgeordneten in dieser Zeit gestellt, Anträge kamen noch keine.

Doch die Eingewöhnungsphase endet Mitte nächster Woche, wenn der neu gewählte Ministerpräsident - der ohne großen Zweifel Stanislaw Tillich (CDU) heißen wird - sein Kabinett präsentiert. Mit der Regierung beginnt dann auch die Arbeit auf den Oppositionsbänken, die sich die AfD mit den Linken und den Grünen teilt.

Wie die Nichtregierungsparteien miteinander auskommen, wird spannend. Grünen-Fraktionschef Volkmar Zschocke hat bereits deutlich gemacht, er wolle mit Petrys Truppe nichts zu tun haben. Oppositionsführer Rico Gebhardt (Linke) war da weniger entschieden: Man müsse inhaltlich entscheiden, wo was geht. Petry selbst zeigt sich offen, doch sie will sich "nicht aufdrängen".

Bei der FDP hat übrigens auch der neue AfD-Fraktionssprecher seine politischen Wurzeln. Doch schon 1990 verließ Andreas Harlaß die Liberalen, wurde lieber Journalist. Nach 20 Jahren als Politik-Redakteur bei Bild-Dresden verfügt der 52-Jährige über wichtige Kontakte. Nachdem das Blatt im vergangenen Jahr Ste llen kürzte, arbeitete Harlaß frei, auch für die umstrittene rechtslastige "Junge Freiheit" - eine "konservative Tageszeitung", wie er selbst sagt. Über diesen Weg sei er nun zur AfD gelangt. Ob er noch Mitglied wird? "Vielleicht."