Benjamin Joseph Przybylla ist 37, verheiratet und Inhaber einer Gartenbaufirma, die laut seinen Angaben acht bis zehn Angestellte hat. 2015 trat er der AfD bei. Für den Kreisverband Zwickau will er als Direktkandidat im September in den Bundestag gewählt werden.

Die "Umkehr von den Fehlentwicklungen unserer Zeit ist ohne uns nicht mehr möglich", schreibt Przybylla in seinem Kandidatenprofil. Damit meint er "Sexualkunde im Kindergarten, EU-Biegungsnormen für Gurken, Unisex-Toiletten, Fixerstuben und ähnliche Verfallserscheinungen". Sein Motto: Toleranz hat Grenzen.

Zudem ist Przybylla überzeugt, dass "die EU-Anbeter in Bundestag und EU-Parlament" die Einwanderung nutzen würden, um die Staaten zu destabilisieren zum Zwecke der "Entmachtung der europäischen Nationalstaaten".

Als Przybylla sich so im Herbst vergangenen Jahres als Direktkandidat bewarb, wählte ihn die AfD Zwickau prompt. Inzwischen ist die Zustimmung wohl verflogen. Am Wochenende soll der Kreisverband seinem Direktkandidaten das Vertrauen entzogen haben - mit 85 Prozent der Stimmen. Przybylla sei nicht länger haltbar gewesen, sagte der Vize-Kreischef Frank-Frieder Forberg dem MDR. Als Grund für das Misstrauensvotum führt Forberg des Kandidaten "Verhalten in der Vergangenheit" an. Przybylla habe "immer wieder am Vorstand vorbei gearbeitet". Der sieht das freilich anders. Przybylla bestritt gestern auf seiner Facebook-Seite, dass es ein solches Misstrauensvotum gegen ihn gegeben habe. Stattdessen wetterte er gegen die "seltsame Arbeitsweise des Kreisvorstands" und griff sowohl Forberg als auch den Kreis chef Sven Itzek an, die sich in ihrer "geliebten Darstellung der bürgerlichen Mitte" ergehen würden.

Letzten Anstoß für das Zerwürfnis gab eine Kundgebung, die Przybylla am Montag in Zwickau veranstaltete. Dort sprach neben dem umstrittenen Chefredakteur des neu-rechten Magazins "Compact", Jürgen Elsässer, auch ein Redner der Dresdner Pegida-Bewegung.

Der Kreisverband hätte diese Kundgebung "mehrfach untersagt", erklärt Forberg. Zudem scheint der Zwickauer AfD langsam die Vergangenheit ihres Kandidaten Bauchschmerzen zu bereiten. Przybylla pflegte lange engen Kontakt zu stadtbekannten Neonazis. Mit einem von ihnen organisierte er Schmäh-Aktionen gegen Lokalpolitiker. Die Männer fielen mehrmals auf, als sie Stadtratssitzungen störten oder Bilder der Privathäuser von Politikern ins Netz stellten.

Nun bemüht sich der Landesverband der AfD, den Zwickauer Streit zu schlichten. Für den Kreisverband bedeutet der Vertrauens entzug für Przybylla womöglich den Verzicht auf einen eigenen Direktkandidaten. Ob Przybylla nun auch seinen 18. Platz auf der Landesliste der Partei aufgeben muss, will der Landesvorstand heute entscheiden.