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| 02:37 Uhr

AfD-Chefin übt Zurückhaltung im Streit um Björn Höcke

Tino Chrupalla und Parteichefin Frauke Petry begeisterten in Bad Muskau über 400 AfD-Anhänger.
Tino Chrupalla und Parteichefin Frauke Petry begeisterten in Bad Muskau über 400 AfD-Anhänger. FOTO: Wendler
Bad Muskau. Zu Veranstaltung mit Frauke Petry und regionalem Direktkandidaten zur Bundestagswahl kommen am Montagabend über 400 Zuhörer nach Bad Muskau Simone Wendler

Fast zwei Stunden nach Beginn der Versammlung im Bad Muskauer "Lindenhof" bekommen die Zuhörer doch noch Gelegenheit, kurz Fragen zu stellen. Und da kommen auch zwei Themen auf den Tisch, welche Frauke Petry vermutlich lieber vermieden hätte: die inzwischen einstelligen Umfragewerte der Partei und der Krach mit dem Thüringer Björn Höcke und seinem völkisch-nationalen Kurs.

Petry hatte nach dessen Dresdener Rede mit der Forderung nach einer 180-Grad-Wende in der deutschen Erinnerungspolitik ein Parteiausschlussverfahren gegen den Thüringer mit in Gang gebracht. Am Montagabend in Muskau äußert sie sich dazu nur sehr vorsichtig. Den Namen Höcke nimmt sie dabei nicht in den Mund.

Viele Themen seien schwierig und müssten "mit Fingerspitzengefühl" angefasst werden, formuliert Petry unscharf. "Es muss aber Grenzen geben, was man in einer Partei sagen darf", so die AfD-Chefin. Wenn die Partei für die Mehrheit der Wähler im Westen nicht mehr wählbar sei, dann verliere die Partei insgesamt, warnt sie. Ende April wird die AfD auf einem Bundesparteitag in Köln über ihr Spitzenpersonal zur Bundestagswahl entscheiden.

Als Tino Chrupalla ankündigt, dass der Parteitag in Köln von 3000 Polizisten abgesichert werden wird, quittiert ein Zuhörer im Saal das mit dem Ruf "Schwulenstadt". Chrupalla ist der Direktkandidat der AfD im Wahlkreis Görlitz, ein selbstständiger Malermeister aus Gablenz.

Er nutzt die Podiumsdiskussion in Muskau, um sich für den anstehenden Bundestagswahlkampf in Position zu bringen. Anfang der 90er-Jahre war er kurz in der CDU, seit 2015 ist er AfD-Mitglied. Im "Lindenhof" tritt er im dunkelblauen Dreiteiler mit weißem Hemd und blauer Krawatte auf. Seine etwa halbstündige Vorstellungsrede liest er vom Blatt.

Chrupalla spricht vom "Massenandrang fremdstämmiger Menschen" auf Deutschland und einer "hysterischen Journaille", die berechtigte Fragen ersticke. Und er macht auch deutlich, wo seine Sympathien liegen: Politiker wie Orban, Trump und Putin "verbal zu provozieren" sei "unhöflich, gefährlich und lächerlich".

Die AfD bemüht sich, an diesem Abend darum, nicht eindimensional als Anti-Asyl- und Anti-Islam-Partei dazustehen. Doch das Thema Flüchtlinge durchzieht als Grundrauschen die Vorträge von Chrupalla und Petry. "Wir fordern ein Mitspracherecht, mit wie vielen und welchen fremden Menschen wir unsere Heimat teilen", fordert Chrupalla. Und Petry bekommt donnernden Applaus für den Satz: "Wir wollen etwas tun, dass Familien sich hier wieder wohlfühlen und nicht nur die illegalen Zuwanderer."

Einig sind sich Chrupalla und Petry in ihrer Abneigung gegen Journalisten. Die AfD-Chefin beginnt ihre Rede mit dem Generalverdacht, dass "über die üblichen Medien" nicht zu erfahren sein wird, was die AfD wirklich will.

Petry möchte gern den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland abschaffen, und Tino Chrupalla kündigt an, er werde sich dafür einsetzen, dass die Zeitungsredaktionen "in die Schranken gewiesen werden". Wie er das machen will? Zur Not mit Gesetzesänderungen, sagt der Malermeister aus Gablenz: "Auch das Grundgesetz ist nicht in Stein gemeißelt." Doch ein Bundestagsmandat ist für ihn noch in weiter Ferne. Als Direktkandidat müsste er in seinem Wahlkreis den Generalsekretär der sächsischen CDU Michael Kretschmer besiegen.