Ein Jahr ist es her, seit der neue Brandenburger Landtag zum ersten Mal zusammentrat. Und zum ersten Mal in der Geschichte des Landesparlaments nahmen insgesamt zehn Abgeordnete der Alternative für Deutschland auf den roten Stühlen des Plenarsaals Platz. Der elfte AfD-Vertreter, der Abgeordnete Stefan Hein, war schon vor der ersten Sitzung aus der Fraktion ausgeschlossen worden. Und mit seiner dezidiert konservativen Eröffnungsrede zog der Alterspräsident des Landtags, der AfD-Fraktionsvorsitzende Alexander Gauland, gleich in der ersten Sitzung des Parlaments alle Blicke auf sich. Was würde da wohl kommen, fragte sich mancher Beobachter auf den Tribünen des Plenarsaals.

Heute habe sich die AfD zu einer "nationalpopulistischen Partei" entwickelt, sagte der Potsdamer Politologe Gideon Botsch am Montag in der Potsdamer Landespressekonferenz. Die AfD habe sich als "Blockadebrecher nach rechts" betätigt. "Sie hat sehr deutlich gemacht, dass sie als Partei von den fremdenfeindlichen Strömungen im Land profitiert." Dies sei in der aktuellen politischen Situation, in der nach Lösungen für die Flüchtlingsproblematik gesucht werde, "brandgefährlich".

Aber was heißt eigentlich Populismus? Botsch erklärt seine Einschätzung der AfD so: Eine populistische Partei kennzeichne sich unter anderem durch ein weiches, bis zur Beliebigkeit gehendes Programm. "Populistische Parteien schüren in der Regel Ängste - auf der einen Seite steht das Volk, auf der anderen Seite stehen die Eliten, und gegen die gilt es, zu mobilisieren", sagte Botsch. Zudem betone die AfD stark die Unterschiede von Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder ihres Geschlechts, etwa im Rahmen der Debatte um das Gender-Mainstreaming. "Das sind Ansatzpunkte für eine Verortung rechts der Mitte." Allerdings könne bei der AfD nicht die Rede von einem verfassungsfeindlichen Rechtsextremismus sein, wie es etwa bei der DVU oder der NPD der Fall sei.

Landespolitisch hingegen habe die AfD kein Profil: Sie beschäftige sich mit Themen, die landespolitisch nicht steuerbar seien und habe "keine Lösungen, nur Parolen". Die Partei übernehme keine Verantwortung für das, was sie sage.

Der Berliner Politologe Carsten Koschmieder machte deutlich, dass es der AfD nicht gelungen sei, den Platz der FDP im Parteienspektrum zu besetzen. "Die Ausrichtung der AfD ist ganz klar: Weg von der marktliberalen Position Bernd Luckes", sagte Koschmieder. Auch der am Otto-Suhr-Institut der Berliner Freien Universität tätige Wissenschaftler verwies darauf, dass sich die AfD bemühe, eine Trennlinie zwischen "dem Volk" und den Regierenden zu ziehen. "Das geht nach der Methode ,Wir sind das Volk'. Und auf der anderen Seite stehen die Regierenden, die dem Volk entfremdet sind", erklärte Koschmieder. "Es gibt aber nicht das Volk, sondern viele verschiedene Interessen."

Der AfD-Landes- und Fraktionschef Alexander Gauland wies die Kritik der Politologen indes zurück. "Es war der künstliche Versuch, uns zu analysieren, ohne dafür irgendwelche Mittel in der Hand zu haben", sagte Gauland.

Dass sich die AfD über das Thema Flüchtlinge profilieren könne, liege zuvorderst an der Unfähigkeit der übrigen Parteien, mit dem Thema umzugehen. "Es ist doch Schwachsinn, dass Frau Merkel sagt, wir schaffen das - und jeder Kommunalpolitiker im Land weiß, wir schaffen das nicht."

Die AfD sei eine Oppositionspartei und könne nur Lösungen vorschlagen. Aber "draußen auf der Straße" würden die Menschen genauso denken wie die AfD. "Nur die Politiker, die denken nicht so", sagte Gauland.