Die Afrikanische Union (AU) und die Arabische Liga riefen das christlich geprägte Äthiopien zum unverzüglichen Abzug seiner Truppen aus Somalia auf. Dies geht aus einer gestern in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba veröffentlichten gemeinsamen Erklärung hervor. Darin werden aber auch "ausländische Elemente" zum Verlassen des Landes am Horn von Afrika aufgefordert, ohne sie konkret zu benennen.
Deutsche Marinesoldaten im Seegebiet am Horn von Afrika sind nach Angaben der Bundesregierung in Berlin nicht gefährdet. Derzeit ist dort die Fregatte "Bremen" mit 239 Mann im Rahmen der amerikanisch geführten Anti-Terror-Operation "Enduring Freedom" im Einsatz. Das Auswärtige Amt forderte ein unverzügliches Ende der Kämpfe.
Die US-Regierung hat nach einem Berich der "New York Times" Unterstützung für das militärische Vorgehen Äthiopiens signalisiert. Äthiopien reagiere auf eine Aggression und versuche, Waffenlieferungen für die Islamisten in Somalia aus dem Ausland einzudämmen, zitierte das Blatt gestern eine Sprecherin des Außenministeriums in Washington.
Äthiopien hatte am Vortag erklärt, rund 1000 Islamisten getötet und weitere 3000 verwundet zu haben. Unter den Toten seien auch viele Ausländer - meist aus Eritrea - gewesen. Das Rote Kreuz betonte, es behandle in den Krankenhäusern der Region rund 800 Verwundete. "Angesichts der erhaltenen Informationen an Ort und Stelle können wir davon ausgehen, dass Hunderte getötet worden sind", erklärte Pascal Hundt vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK). Viele der durch die Kämpfe Vertriebenen kehrten nun zurück. Die Konfliktparteien hätten dem IKRK garantiert, dass es seine Hilfsflüge in Somalia ungehindert durchführen könne.
Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) hat seine Hilfsflüge für Flutopfer im Süden Somalias dagegen eingestellt, wo mehrere hundert Menschen ums Leben gekommen sind und eine halbe Million obdachlos geworden ist. Die 25 ausländischen Mitarbeiter wurden aus dem Überschwemmungsgebiet abgezogen. Die Entscheidung sei auf Bitten somalischer Stellen wegen der erwarteten Instabilität getroffen worden, sagte WFP-Sprecher Peter Smerdon in Nairobi. UN-Menschenrechtskommissarin Louise Arbour verurteilte die Kämpfe. Zivilisten, die dem Konflikt entkommen wollten, müsse freies Geleit und Hilfsorganisationen Zugang zu Menschen in Not gewährt werden, sagte Arbour in einer in Genf herausgegebenen Erklärung. Alle beteiligten Parteien hätten die Menschenrechte strikt einzuhalten. Bei einer Dringlichkeitssitzung des Weltsicherheitsrates war gestern ein formaler Aufruf zur Waffenruhe an einer Forderung Katars gescheitert.
Das einzige arabische Land unter den 15 Ratsmitgliedern, das im Dezember auch die Ratsgeschäfte leitet, wollte den Rückzug des äthiopischen Militärs und anderer ausländischer Truppen in dem Appell festschreiben. Einspruch dagegen erhoben vor allem die USA, Frankreich, Großbritannien, Russland, China sowie Ghana und Tansania.
Äthiopien unterstützt die international anerkannte somalische Übergangsregierung in Baidoa und hatte am Sonntag den Islamisten den Krieg erklärt. Seitdem haben die äthiopischen Streitkräfte somalische Flugplätze aus der Luft angegriffen und mehrere zuvor von den Islamisten kontrollierte Städte besetzt. Der UN-Sondergesandte für Somalia, François Lonsény Fall, mahnte, dass der Bevölkerung ohne politische Lösung noch mehr Not als in den vergangenen 16 Jahren der Anarchie drohe. Der scheidende UN-Generalsekretär Kofi Annan hatte in seinem letzten Somalia-Bericht gewarnt, dass bewaffnete Islamisten ins Land einsickerten, darunter Milizen aus Pakistan, Tschetschenien und arabischen Ländern. (dpa/ta)