Wie die RUNDSCHAU aus Teilnehmerkreisen erfuhr - Öffentlichkeit war bei der Kammerversammlung nicht zugelassen und eine Erklärung des Vorstandes hat es ebenfalls nicht gegeben -, soll das klare Stimmergebnis auf die vorgeschlagene künftige Zweiteilung des Sitzes der LÄKB zurückzuführen gewesen sein. So wird sich die Kammer-Spitze um Präsident Dr. Udo Wolter im Jahre 2015 offenbar eine Bürofläche im Neubau der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Brandenburg in Potsdam sichern. Neben dem 1400 Quadratmeter-Areal in der Landeshauptstadt, mit dem man dichter an die politischen Entscheidungsträger heranrücken wolle, soll ein Gebäude mit 1200 Quadratmetern in Cottbus weiter genutzt werden. Dabei könnte es sich um den im Jahre 2008 bezogenen Neubau der LÄKB handeln, der 1,4 Millionen Euro gekostet hatte. Hier sollen dem Vernehmen nach etwa die Hälfte der bisher 45 Mitarbeiter weiterhin beschäftigt werden.

Um den Umzug sowie einen Sozialplan für mitziehende und ausscheidende Mitarbeiter kostenneutral zu halten, soll offenbar das zweite, ältere Kammergebäude in Cottbus verkauft werden. Dass die Kammerbeiträge aufgrund des geplanten Umzuges steigen könnten, soll vom Vorstand ausgeschlossen worden sein. "Die Ärzte in der Lausitz schütteln den Kopf, weil es hier nicht um Nähe zur Politik geht. Das ist eine Ausrede", zeigt sich Jürgen Maresch, Cottbuser Landtagsabgeordneter der Linken, von dem Ärzte-Votum gegen Cottbus erschüttert. "Hier geht es allein um persönliche Interessen der Kammerführung."

Der Cottbuser Orthopäde, Prof. Dr. Michael Schierack, bedauerte das Ergebnis ebenfalls: "Ich habe mit anderen Cottbuser Ärzten für den Standort gekämpft, muss aber die Mehrheitsverhältnisse akzeptieren", betonte der CDU-Landtagsabgeordnete. Nach seiner Einschätzung habe die geplante Zweiteilung der Hauptgeschäftsstelle zu dem klaren Votum geführt.

Der Cottbuser Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) ist enttäuscht. DerKammerentscheid sei "unsolidarisch". "Nur gut, dass die Medaille zwei Seiten hat", ergänzt Szymanski. "Unsere Argumente für einen Verbleib in der Lausitz haben zwar nicht dazu geführt, dass die Kammer komplett hier bleibt. Aber der Standort wird auch nicht komplett aufgegeben."

Chefärzte des Cottbuser Carl-Thiem-Klinikums hatten sich zuvor in einem offenen Brief an die Kammerversammlung gewandt und von einem verheerenden Signal gesprochen, wenn einerseits junge Ärzte in berlinferne Teile Brandenburgs gelockt werden sollen, sich andererseits aber die Ärztevertreter aus der Fläche zurückziehen. Doch dieser Appell hat ebenso wenig zum Einlenken geführt, wie ein Brief des Cottbuser Oberbürgermeisters, der von einem erheblichen Imageschaden für die Stadt gesprochen hatte. Der Beschluss zur Zweiteilung der LÄKB-Hauptgeschäftsstelle weckt bei dem FDP-Landtagsabgeordneten Jens Lipsdorf gemischte Gefühle. "Wie will man vor diesem Hintergrund junge Ärzte in die Regionen bringen?", fragt er und fügt hinzu: "Es ist sicher nicht abwegig zu vermuten, dass nach 2015 schnell auf Synergieeffekte verwiesen wird, um schnell den Komplettumzug nach Potsdam zu rechtfertigen."