2009 hatte die Zahl ausländischer Mediziner noch bei rund 1250 gelegen.

"Einige Kliniken könnten den Betrieb mancher Station ohne die internationalen Ärzte gar nicht mehr aufrechterhalten, weil sie in Deutschland keine Ärzte finden", sagte Chef der Landesärztekammer, Jan Schulze. Ärztebedarf gebe es vor allem in ländlichen Regionen wie der Lausitz, dem Erzgebirge oder Nordsachsen. In einigen Krankenhäusern komme jetzt schon jeder zweite Arzt aus dem Ausland. Es müsse weitere Hilfen für die Integration ausländischer Mediziner geben, mahnte Schulze. Wichtig seien vor allem Sprachkurse.

"Die ausländischen Ärzte schließen Versorgungslücken, die trotz umfangreicher Suche in Deutschland nicht besetzt werden konnten", bestätigte der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen, Ingo Mohn. Seinen Angaben zufolge gibt es mehr als 100 ausländische Haus- und fast 60 niedergelassene Fachärzte. In Sachsen fehlten derzeit noch 108 Hausärzte, elf Augenärzte und sechs weitere Fachärzte.

"Es ist ein gutes Zeichen für das sächsische Gesundheitswesen, dass es für ausländische Ärzte so attraktiv ist", sagte die Landeschefin der Techniker Krankenkasse, Simone Hartmann.

Mit dem Modellprojekt "Bienvenido in Sachsen" versucht die Kassenärztliche Vereinigung, Mediziner vor allem aus Spanien in den Freistaat zu locken. Erst kürzlich hat die 46-jährige US-Amerikanerin Elizabeth Beltre, die zuletzt im spanischen Toledo gearbeitet hat, in Schwarzenberg im Erzgebirge eine Hausarztpraxis übernommen. Sie sei zufrieden und fühle sich sehr wohl im Erzgebirge, sagt sie. "Toledo ist zwar eine sehr schöne Stadt, aber es gibt dort wenig Arbeit." Kollegen hätten ihr vom sächsischen Modellprojekt erzählt.

Schon im Juli hat der Internist Mohd Salibi eine Praxis in Hohenstein-Ernstthal übernommen. Die Umstellung von der lebendigen Metropole Madrid mit acht Millionen Einwohnern auf die kleine Stadt, das kalte Wetter und die anderen Sitten sei schon schwergefallen, räumt er ein. Hier sei alles sehr ruhig und er sei überrascht gewesen, so wenige Leute auf der Straße zu treffen. Er könne seinen spanischen Kollegen Sachsen dennoch empfehlen. Bisher arbeiten drei Ärzte aus Spanien in Sachsen.