Die Unions-Abweichler, die neue Hilfsmilliarden für Griechenland strikt ablehnen, wollen sich von der Strafandrohung ihres Fraktionschef Volker Kauder (CDU) nicht einschüchtern lassen. Christian von Stetten, Chef der Mittelstands-Gruppe in CDU/CSU-Fraktion, bewertete Kauders jüngste Warnung als "Drohung, die ich nicht nachvollziehen kann und die mich auch nicht beeindruckt". Der CDU-Abgeordnete Andreas Mattfeldt sagte: "Es kann nicht sein, dass man nur noch Stimmvieh der Parteiführung ist."

In der Unionsfraktion schlugen Kauders Äußerungen im Lager der Griechenland-Kritiker hohe Wellen. Der CDU-Abgeordnete Alexander Funk sagte, Kauders Einlassungen seien "für jeden Vertreter der parlamentarischen Demokratie erschreckend und beschämend". Seine CDU-Kollegin Veronika Bellmann erklärte, Drohungen und Sanktionen stünden nicht in der Fraktionsordnung: "Wenn immer alle Nein-Sager "entmachtet" werden, hat die Union bald ein Besetzungsproblem."

Kauder hatte gesagt, das Abweichen von der Regierungslinie werde für einzelne Abgeordnete Konsequenzen haben. "Die mit Nein gestimmt haben, können nicht in Ausschüssen bleiben, in denen es darauf ankommt, die Mehrheit zu behalten: etwa im Haushalts- oder Europaausschuss."

Unterstützung bekam Kauder aus der CSU. "Es geht nicht an, dass man Mehrheitsmeinungen, die in stundenlanger Diskussion in der Fraktion gebildet wurden, dann nicht mittragen kann", sagte Max Straubinger, Geschäftsführer der Landesgruppe.