Doch jetzt hat er Ärger mit seinem "Potsdamer Bilderbogen", der während der Anhörungen zu den umstrittenen Zwangsfusionen von Gemeinden entstand. Eine Anwältin protestierender Kommunen erkannte sich auf einer Karikatur wieder, die sie mit tiefem Ausschnitt zeigt, garniert mit dem Spruch: "Noch einen Knopf ... und wir folgen diesen Argumenten." Die erboste Reaktion: Die Anwältin will das Corpus Delicti der Klageschrift gegen Zwangsfusionen ans Verfassungsgericht beifügen - als Beleg für die Voreingenommenheit des Ausschusschefs und der "Arroganz der Macht." Schulze pariert spitz: "Reformfeindlichkeit gepaart mit Humorlosigkeit sind das Hauptübel dieses Landes." Ein anderer prominenter Gegner der Gemeindereform weiß offenbar noch gar nicht, dass er ebenfalls von Schulze portraitiert wurde - mit wilder Mähne, darüber ein Einstein-Zitat. "Ich glaube, das Universum und die menschliche Dummheit sind unendlich. Bei Ersterem bin ich mir nicht sicher." Gemeint ist der Teupitzer CDU-Bürgermeister und Vorsitzende des Brandenburger Gemeindebunds Karsten Kuhl.
Ä rger wegen der Gemeindereform hat nicht nur der SPD-Politiker Schulze, sondern auch ihr Initiator - Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU): Es sei unhaltbar, zürnte er jetzt, dass inzwischen erste Bürgermeister und Gemeindevertreter aus Protest gegen Zwangszusammenschlüsse zum Boykott der Kommunalwahl im Oktober aufrufen. So geschehen in der Gemeindevertretersitzung von Wustrau (Ostprignitz-Ruppin). Käme es zur Wahlverweigerung, würde davon nur die PDS profitieren, warnt Schönbohm. Hingegen fragt man sich in Wustrau: "Was passiert eigentlich, wenn die Kommunalwahl in den neuen Gemeindegrenzen stattfindet, aber viele Gemeinden zivilen Ungehorsam zeigen - und ihre Bürger nicht zur Wahl gehen?" Keine leere Drohung - schließlich hatten schon beim Bürgerentscheid 98,69 Prozent der Wustrauer den Anschluss an Fehrbellin abgelehnt. Andere Gemeinden wollen diesem Beispiel jetzt folgen. Gemeindebundchef Karsten Kuhl hat Verständnis für die Boykott-Aufrufe. "Es ist ein Akt der Verzweiflung".
A larm am Landesrechnungshof: Freitagnachmittag erschien der wegen Betrugsverdachts suspendierte Vizepräsident Arnulf Hülsmann in seinem Büro. Aber nicht um zu arbeiten, sondern um sein privates Mobiliar abzutransportieren, mit dem er sein Büro ausgestattet hatte: Wuchtige dunkle Antiquitäten, Kommode, Schreibtisch, Polsterstühle mit gedrechselten Beinen. Es sei "Schikane", dass Präsidentin Gisela von der Aue die Entfernung der Privatmöbel verlangt habe, schimpfte Hülsmann, der unter Aufsicht auch diverse private Aktenordner in Umzugskartons verpackte. Im Hof hieß es freilich, Auslöser sei ein Rohrbruch gewesen. Trotz des erhärteten Vorwurfs systematisch manipulierter Reisekosten-Abrechnungen und einer drohenden Anklage der Generalstaatsanwaltschaft gab sich Hülsmann erstaunlich selbstgerecht: Er werde sein Büro "schon in vier Wochen" wieder bezie hen. Dann entscheide das Oberlandesgericht über seine Beschwerde gegen die Suspendierung.