Hildegard Loskarn ist eine ausgesprochen fröhliche Dame - aber bei dem Thema wird ihre Miene düster. "Dass der Kloppo nach England gegangen ist, das war schon ein Schock", sagt die Brandenburgerin. Die Seniorin ist glühender Fan des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund. Und vermutlich dessen ältester: Sie feiert am heutigen Samstag ihren 108. Geburtstag. Damit ist sie nicht nur noch ein gutes Jahr älter als ihr Lieblingsverein, sondern nach Auskunft der Staatskanzlei auch der älteste Mensch in Brandenburg.

"Schon zu DDR-Zeiten war Dortmund der Westverein für unsere Familie", erzählt ihre Tochter Angelika Bertold. Seit einem schweren Sturz vor fünf Jahren lebt die Jubilarin aus Brandenburg/Havel bei der Tochter in Woltersdorf (Potsdam-Mittelmark). Nach der Wende seien ja viele Spieler aus dem Osten nach Dortmund gegangen, sagt Bertold. "Etwa der Jörg Heinrich, der hat ja hier bei Motor Rathenow gespielt." Bis vor Kurzem konnte ihre Mutter noch die Namen aller Spieler ihrer Borussia samt Werdegang herunterbeten. Doch inzwischen lassen die Kräfte nach. "Seit einem Jahr höre ich kaum noch was", klagt sie. "Plötzlich waren die Stimmen weg."

Doch gucken kann sie noch gut und verpasst deshalb kaum ein Spiel ihrer Borussia. Selbst wenn es etwa in der Champions League richtig spät wird. "Den Schlaf holt sie dann am nächsten Tag nach", meint die Tochter. Richtig ätzend findet Hildegard Loskarn nur, dass Dortmund weiter acht Punkte hinter den "ollen Bayern" hängt, die sie überhaupt nicht leiden kann. Und dann noch die "Verräter": "Lewandowski und Götze sind zu den Bayern gegangen", sagt sie immer noch fassungslos. Vor zwei Jahren hat der Verein ihr gratuliert: Mit einem Mannschaftsposter, Schal und signiertem Foto von Jürgen Klopp.

Eine weitere Leidenschaft der Seniorin ist Tennis, denn ihr Mann hatte die Tennisabteilung von "Lok Kirchmöser" aufgebaut. Vor ein paar Wochen fieberte sie mit vor dem Fernseher, als Angelique Kerber bei den Australian Open Serena Williams bezwang. "Das hat sie wunderbar gemacht", sagt Hildegard Loskarn leise.

Die gebürtige Rastätterin hatte 1937 ihren Mann Georg während eines Besuchs bei Verwandten in Brandenburg/Havel kennengelernt. Ein Jahr später zog das junge Paar in ihre Wohnung im Stadtteil Kirchmöser, die sie immer noch hat. "Seit ihrem Beckenbruch ist sie meist hier bei mir", sagt die Tochter. "Aber ihre eigene Wohnung würde sie niemals aufgeben."

Gefeiert wird im bereits festlich hergerichteten Wohnzimmer der Tochter im Kreise der Familie - auch wenn der schon deutlich kleiner geworden ist. Die Jubilarin hat zwar ihre drei Töchter, sechs Enkel, sieben Urenkel und ein Ururenkelkind. "Aber die Männer sind alle nicht mehr", klagt sie. "Da kann man sich nicht mehr unterhalten." Großen Wert legt sie auf gute Umgangsformen. "Es tut mir leid, dass ich Sie nicht mehr zur Tür bringen kann", sagt sie leise zum Abschied. "Aber vielleicht sehen wir uns ja mal wieder", fügt sie mit einem leichten Lächeln hinzu.