Der Grund ihres Aufschreis: Schon im August bieten Supermärkte Lebkuchen und Zimtsterne zum Verkauf. Immer früher werden Einkaufszentren weihnachtlich dekoriert. Und auch die Brandenburger Landesregierung macht da keine Ausnahme. Denn während morgen erst der Ewigkeitssonntag begangen wird und Menschen auf den Friedhöfen ihrer Toten gedenken, hat Forstminister Jörg Vogelsänger (SPD) am Freitag schon einmal die Weihnachtsbaumsaison eröffnet. Auf dem Werderaner Tannenhof griff der Minister zur Axt und schlug den ersten Christbaum der Saison. Er geht an das SOS-Kinderdorf Brandenburg an der Havel. Was zumindest einen pädagogischen Effekt hat: So lernen die Kinder gleich, dass die Weihnachtsbaumsaison beginnt, wenn der Forstminister Zeit hat und es dem Plantagenbesitzer in den Terminkalender passt.

Doch andere Ministerien sind nicht besser: Das Justizministerium etwa lädt am Mittwoch, vier Tage vor dem ersten Advent, zu einem Weihnachtsbasar in die Staatskanzlei ein. Dort werden dann Produkte der Marke "meisterhaft" zum Verkauf feilgeboten, die in den Brandenburger Gefängniswerkstätten entstanden sind. Ob sich darunter wohl auch ein Kalender findet, in dem sich nachlesen lässt, auf welchen Sonntag 2015 der erste Advent fällt? Doch nicht nur Ministerien, auch Kirchen beginnen mittlerweile die Adventszeit verfrüht: Heute findet in der Kirche von Seeburg bei Berlin ein Weihnachtsbasar statt.

Unter dem Motto "Adventszauber in Seeburg" werden Glühwein, Kaffee und Kinderpunsch feilgeboten. Und auf der mit Schneemann und Tannenbaum versehenen Einladung werden zudem "kleine Kunstwerke" versprochen, die Kitakinder des Ortes gebastelt haben. Weswegen Margot Käßmanns Satz vom Advent, der im Dezember ist, in Brandenburg wohl nur noch sehr begrenzt in Geltung steht.