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| 01:06 Uhr

Adria statt Plattensee

Wie jedes Jahr bevölkern auch in diesem Sommer Touristen aus Deutschland, Holland oder Großbritannien die Strände und Hauptstädte Europas. Von Patrick Rahir

Doch neben den Reisenden aus dem Westen schwappt jetzt eine neue Touristenwelle in die europäischen Ferienhochburgen an Adria und Mittelmeer: Ungarn, Polen oder Tschechen haben ein Jahr vor ihrem offizellen Beitritt zur Europäischen Union den Urlaub im Westen und Süden des alten Kontinents für sich entdeckt.
Für die großen Reiseveranstalter wie TUI, Neckermann oder Thomas Cook sind die Touristen aus den zehn Beitrittsländern ein verlockender Wirtschaftsfaktor. Sie erhoffen sich von der neuen Reiselust im Osten steigende Gewinne. Noch ist bei den "Neueuropäern" allerdings nicht viel Geld zu holen: Der durchschnittliche Tourist aus dem Osten hält sein Geld zusammen. 500 bis 1000 Euro darf ein Urlaub kosten - mehr nicht. Trotzdem wird der Markt für die Unternehmer zunehmend lukrativ. Das Bruttosozialprodukt in den östlichen Ländern steige, ein Urlaub im Ausland werde so erschwinglicher, hofft Luigi Cabrini vom Welt-Tourismusverband in Madrid. Auch der in Oberursel ansässige Reiseunternehmer Thomas Cook, seit Anfang der 90er-Jahre in den osteuropä-ischen Ländern tätig, sieht dort großes Potenzial, versichert Unternehmenssprecher Markus Rudiger.
Und noch ein Faktor lässt die Tourismusbranche auf eine wachsende Zahl von Osttouristen an Europas Stränden hoffen: Mit dem Beitritt zur Union fallen lästige Reisebeschränkungen auf dem Kontinent fast vollständig weg.
So lange will ein Großteil der Osteuropäer aber nicht mehr warten. Allein im vergangenen Jahr verbrachten fast 4,4 Millionen Polen ihre Ferien im Ausland. Vor allem Kroatien erfreut sich großer Beliebtheit. Auch die Ungarn ziehen neuerdings die Adria dem heimischen Plattensee vor. Und reisten die Esten Anfang der 90er-Jahre noch regelmäßig zum Urlaub nach Finnland, muss es jetzt bei vielen eine Flugreise in die Türkei oder nach Griechenland sein.
Auch für die Anreise steigen die Ansprüche. Das Auto und Charterflüge haben den Reisebus als häufigstes Verkehrsmittel abgelöst. Ähnliches gilt für die Unterkunft. "Die Leute übernachten nicht mehr so ohne weiteres in einem Reisebus, nur um Geld zu sparen. Sie wollen qualitativ hochwertige Hotels", sagt Daisy Jarva vom Reiseunternehmen Talinntour.
Nur bei den Touristen aus den ärmeren Beitrittsländern Bulgarien und Rumänien bleibt die Anreise mit dem Bus beliebt. Eine Hin- und Rückfahrkarte von Bukarest nach Paris kostet sie nicht mehr als 150 Euro. Bei derart niedrigen Preisen schreckt so mancher Tourist auch vor einer zehntägigen Busfahrt nach Wien nicht mehr zurück.